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Tierschutz & Tierrechte
Aktualisiert: vor 2 Stunden 27 Minuten

Neuer Praxisleitfaden für vegane Großverpflegung

Do, 22/06/2017 - 06:38

Pressemitteilung

© Leonori – Shutterstock

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt hat ihren vor zwei Jahren veröffentlichten Leitfaden für vegane Großverpflegung vollständig aktualisiert und erweitert. Der Ratgeber bietet auf rund 180 Seiten Empfehlungen zu pflanzlichen Alternativen sowie über 80 großküchentaugliche Rezepte. »Die hohe Nachfrage von Caterern nach einer erweiterten und gedruckten Version unseres Leitfadens war ausschlaggebend für die Neuauflage«, erklärt Silja Kallsen-MacKenzie, Leiterin Unternehmenskampagnen bei der Albert Schweitzer Stiftung. »Sie soll
Großküchen noch besser dabei unterstützen, kostengünstig ein rein pflanzliches Angebot zu schaffen, auszubauen oder zu verbessern.«

Vegane Gerichte haben sich in der Angebotsplanung von Mensen und anderen Gemeinschaftsverpflegern etabliert. Nach Informationen des Deutschen Studentenwerks sind inzwischen mehr als 50 % aller Mensa-Essen vegetarisch oder vegan. Laut GV-Barometer gehen 70 % der Küchenleiter von Betriebsrestaurants, Heimen und Kliniken davon aus, dass die vegetarische und vegane Ernährung weiter an Bedeutung gewinnen wird.

Auf rund 180 Seiten bietet der Ratgeber neben Empfehlungen zu veganen Produkten, Marken und Lieferanten auch Best-Practice-Beispiele zu Angebotsgestaltung, Kennzeichnung und Kommunikationsmaßnahmen. Zudem werden Informationen zu Kostenvergleichen mit Fleischgerichten und eine Checkliste für einen ausgewogenen Speiseplan zur Verfügung gestellt. Ein umfangreicher Rezeptteil mit über 80 erprobten, großküchentauglichen Rezepten vervollständigt das Dokument.

Auch weil durch ein pflanzenbetonteres Angebot die Klimabilanz verbessert und gleichzeitig eine gesundheitsfördernde Speisenauswahl geschaffen wird, erwartet Kallsen-MacKenzie eine rege Nachfrage. »Wir freuen uns sehr, dass wir den Leitfaden erneut in Zusammenarbeit mit erfahrenen Studierendenwerken erstellen konnten und möchten hiermit einen positiven Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit in Großküchen leisten.«

Der Leitfaden kann hier als Druckversion gegen eine Schutzgebühr von 3 € erworben oder kostenlos als PDF heruntergeladen werden.

Der Artikel Neuer Praxisleitfaden für vegane Großverpflegung wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Fleischverzehr in Deutschland sinkt

Fr, 16/06/2017 - 18:25
© Lukatme – Shutterstock

Der Trend, weniger Fleisch zu essen, hält hierzulande erfreulicherweise an. Insgesamt hat sich mit etwa 60 kg pro Kopf die verzehrte Menge an Fleisch im Jahr 2016 um rund ein Kilogramm gegenüber dem Vorjahr verringert. Weiterhin ist die Hälfte des verzehrten Fleischs verarbeitet, etwa zu Wurst oder Schinken. Das geht aus Zahlen des Deutschen Fleischerverbands hervor. Die gesamte Menge an verzehrtem Fleisch ist in Deutschland mit fast fünf Millionen Tonnen jedoch noch immer erschreckend hoch.

Immer weniger Schweinefleisch

Der Rückgang des Fleischkonsums lässt sich allein auf die deutlich sinkende Nachfrage nach Schweinefleisch zurückführen: Gegenüber dem Vorjahr landeten 2016 im Schnitt 1,7 kg weniger davon auf den Tellern. Schon 2015 war sie um 1,2 kg gesunken. Seit 1996 hat der Konsum sogar um zehn Kilogramm abgenommen. Dennoch hat Schweinefleisch mit 36 kg pro Kopf noch immer den größten Anteil am Fleischverzehr in Deutschland.

Beim Verzehr von Rind- und Geflügelfleisch gab es hingegen eine leichte Zunahme. Pro Kopf stieg die Menge an Rindfleisch um 200 g auf 9,7 kg. Der Konsum von Geflügelfleisch nahm sogar um 500 g zu und lag 2016 somit bei 12,5 kg.

Eine Entwicklung mit vielen Ursachen

Begonnen hatte der Trend zu weniger Fleisch bereits Mitte der 1990er Jahre. In den vergangenen 20 Jahren ist nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung der Fleischkonsum von damals 68 kg pro Kopf um fast 12 % gesunken.

Der Deutsche Fleischerverband nennt dafür mehrere Ursachen. So sei die Abnahme durch langfristige Änderungen der Verzehrsgewohnheiten zu erklären. Dazu gehörten etwa die vermehrte Nachfrage nach Fertigmahlzeiten und der Anstieg des Außerhausverzehrs. In beiden Fällen fielen die Fleischportionen üblicherweise kleiner aus als beim Selbstkochen. Ein weiterer Grund sei die veränderte Bevölkerungsstruktur in Deutschland aufgrund der Zunahme an älteren Menschen. Diese äßen sowohl weniger Fleisch als auch insgesamt weniger.

Des Weiteren ist nach Ansicht des Fleischerverbands die Abnahme auch bedingt durch gesellschaftliche Entwicklungen zu einer weniger fleischlastigen oder sogar fleischfreien Ernährung. Nicht zuletzt aufgrund von Lebensmittelskandalen nimmt die Zahl der Menschen zu, die häufiger oder dauerhaft fleischlos essen. Das erhöhte Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung spielt ebenfalls eine Rolle. Das bestätigt eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung von 2016.

Die Zunahme an Geflügelfleisch führt der Verband unter anderem auf das wachsende Angebot an entsprechenden Produkten und die vergleichsweise niedrigen Preise zurück sowie auf die verbreitete Annahme, dass es weniger fett und gesünder sei als Rinder- oder Schweinefleisch. Das stimmt so allerdings nicht.

Unser Fazit

Wir begrüßen zwar die insgesamt verringerte Fleischnachfrage. Besorgniserregend ist jedoch der kontinuierliche Anstieg des Konsums von Geflügelfleisch, der auch auf die billigen Preise zurückzuführen ist. Das zeigt, wie wichtig es ist, die Tierschutzstandards bei Masthühnern anzuheben: So kann zum einen Tierleid reduziert werden und zum anderen tragen höhere Preise durch höhere Tierschutzstandards zu einem sinkenden Konsum bei.

Wenn Sie den Start unserer Masthuhn-Kampagne unterstützen wollen, dann ist jetzt ein idealer Zeitpunkt dafür, denn alle neuen Förderbeiträge werden derzeit verdoppelt!

Der Artikel Fleischverzehr in Deutschland sinkt wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Erster Großhändler listet Käfigeiprodukte aus

Mi, 14/06/2017 - 10:17

Pressemitteilung

© Hayati Kayan – Shutterstock

Das Großhandelsunternehmen Handelshof Cash & Carry wird künftig keine Eiprodukte mehr aus Käfighaltung anbieten. Dieser Schritt folgt auf eine Anregung der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt. Damit ist Handelshof das erste Großhandelsunternehmen, das vollständig auf Käfigeier sowohl bei frischen Eiern als auch bei Eiprodukten verzichtet.

»Wir freuen uns sehr über diese Entscheidung. Denn dem Vorbild von Handelshof werden sicherlich bald weitere Unternehmen der Branche folgen«, kommentiert Silja Kallsen-MacKenzie, Leiterin der Unternehmenskampagnen bei der Albert Schweitzer Stiftung. »Dieselbe Entwicklung konnten wir schon im Einzelhandel beobachten.«

Alle Schaleneier aus Käfighaltung hat Handelshof bereits 2011 ausgelistet. Noch in diesem Jahr will das Unternehmen Eiprodukte wie Flüssigei, Eipulver oder fertiges Rühr- und Spiegelei aus Käfigeiern aus seinem Sortiment streichen. Solche oft in Großgebinden verpackten Produkte nutzen vor allem Großverbraucher in der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung.

Der Abverkauf der Restbestände erfolgt bis voraussichtlich Ende August. Danach will der Großhändler ausschließlich Eiprodukte aus alternativen Haltungsformen wie Boden- und Freilandhaltung anbieten.

»Da wir schon bei der Auslistung von Schaleneiern aus Käfighaltung die ersten im Bereich Großhandel waren, hatten wir den Anspruch, dieser Vorreiterrolle erneut gerecht zu werden«, sagt Wolfgang Baer, Geschäftsführer der Handelshof-Gruppe. »Besonders erfreulich ist, dass wir diesen Schritt bei Käfigeiprodukten so zeitnah realisieren können.«

Kampagnenleiterin Kallsen-MacKenzie von der Albert Schweitzer Stiftung begrüßt, dass mit Handelshof Cash & Carry ein Großhändler Eiprodukte mit Käfigeiern auslistet. »Die Einkaufspolitik des Großhandels wirkt sich direkt auf das Angebot der Unternehmen aus, die von dort ihre Waren beziehen«, sagt Kallsen-MacKenzie. »Die hätten wir schwerlich alle einzeln überzeugen können, auf Eiprodukte mit Eiern aus dieser besonders tierquälerischen Haltungsform zu verzichten.« Sie weist jedoch darauf hin, dass auch die alternativen Haltungsformen aus Tierschutzsicht Mängel aufweisen. »Trotzdem ist der Abschied vom Käfigei ein sehr wichtiger Schritt. Denn in der Käfighaltung können Hennen praktisch keine ihrer Grundbedürfnisse ausleben.«

Das Unternehmen Handelshof

Die Handelshof-Gruppe betreibt 16 Abholgroßmärkte mit bis zu 80.000 Artikeln in Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und im Großraum Hamburg. Das Angebot der Märkte richtet sich an Großverbraucher wie Hotellerie, Gastronomie, Handel und andere Gewerbetreibende. Neben dem Selbstbedienungsgroßhandel gehört zu Handelshof Cash & Carry ein Liefergroßhandel, der die Waren direkt zu Betrieben bringt.

Der Artikel Erster Großhändler listet Käfigeiprodukte aus wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Pferdeblut für Schweinefleisch

Sa, 03/06/2017 - 19:26
© Arman Zhenikeyev – Shutterstock

Das Thema beschäftigt TierschützerInnen und Öffentlichkeit schon eine Weile: Im Herbst 2015 hatten der Tierschutzbund Zürich und die Animal Welfare Foundation in Südamerika einen Skandal aufgedeckt. Auf sogenannten »Blutfarmen« werden schwangeren Stuten große Mengen Blut abgezapft. Das im Blut enthaltene Hormon PMSG (Pregnant Mare Serum Gonadotropin) nutzen in etlichen Ländern vor allem Schweinezuchtbetriebe, so auch in Deutschland. Mit Videoaufzeichnungen konnten die TierschützerInnen dokumentieren, wie auf Pferdefarmen in Uruguay und Argentinien Angestellte Tausende Stuten misshandeln.

Systematische Quälerei

Nach Aussagen der Tierschutzorganisationen nimmt man den Tieren auf den Stutenfarmen zu schnell zu viel Blut ab: Bis zu zehn Liter pro Woche. Das ist in etwa ein Viertel der gesamten Blutmenge eines Pferds. Auf den Filmaufnahmen sieht man, wie teils extrem geschwächte Pferde brutale Schläge und Tritte erleiden.

Die ungeborenen Fohlen der Stuten sind ein unerwünschtes Nebenprodukt der PMSG-Produktion. Sie sterben oft schon aufgrund der Strapazen und des andauernden Blutentzugs im Mutterleib. Ansonsten tötet man sie meist durch eine Abtreibung per Hand, sobald die schwangeren Stuten kein PMSG mehr produzieren. So kann man die Stuten schnellstmöglich wieder decken und zur erneuten PMSG-Bildung anregen. Sind die Stuten nicht mehr in der Lage, schnell genug schwanger zu werden, gehen sie in die Schlachtung. Das Pferdefleisch aus diesen Betrieben gelangt auch in die EU.

Die Position der Bundesregierung

Anfang Mai 2017 hat die Bundesregierung eine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen zu den Produktionsbedingungen von PMSG beantwortet. Darin heißt es, das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) habe mit den betreffenden Ländern in Südamerika über das Thema gesprochen. Anlass seien die Presseberichte aus dem Jahr 2015 über die Produktionsbedingungen von PMSG gewesen. Das BMEL habe sich zudem bereits 2016 an die EU-Kommission gewandt. Inspektionen vor Ort sollten konkrete Informationen über den Umgang mit den trächtigen Stuten liefern. Zudem sei auf Verbesserungen bei Haltung und Nutzung der Pferde hinzuwirken. Eine systematische Abtreibung der Fohlen sei mit dem hiesigen Tierschutzverständnis unvereinbar und in ethischer Hinsicht problematisch, heißt es weiter.

Trotz der Rechercheergebnisse der Tierschutzorganisationen fällt das Fazit der Regierung zurückhaltend aus: »Insgesamt reichen die derzeit vorliegenden Informationen allerdings für eine abschließende Bewertung der Tiergerechtheit des Gewinnungsprozesses nicht aus.«

Die Folgen der Misshandlungen

Die Abnahme großer Blutmengen führt bei den Tieren zu einem hohen Verlust an Flüssigkeit, roten Blutkörperchen und Proteinen. Auf Dauer sinkt die Immunabwehr. Es kommt zu Erschöpfung, Abmagerung, Blutarmut und Fehlgeburten. Nach letzteren erhalten die Stuten keinerlei tierärztliche Behandlung. Ein qualvoller Tod kann die Folge sein. Laut den Recherchen der TierschützerInnen sterben aufgrund des brutalen Umgangs und der auszehrenden Prozedur der Blutabnahme jährlich 30 % der Stuten.

Wenig Kontrolle und fehlende Regelungen

Für die Haltung von Pferden zur Blutgewinnung in Europa gibt es Tierschutzauflagen. In Südamerika fehlen hingegen solche Regelungen für die Blutproduktion und es gab bislang auch keine oder kaum Kontrollen auf den Stutenfarmen. Das dürfte die Produktion dort deutlich günstiger und noch rentabler machen. Denn ohnedies hat PMSG einen großen finanziellen Wert. 100 Gramm des Hormons sollen rund 900.000 Dollar kosten. Über die hierzulande angewendeten Mengen von PMSG gibt es keine genauen Daten. Derzeit besteht auch keine Meldepflicht über den Einsatz von PMSG in der EU.

Der Nutzen für die Schweinezucht

In Deutschland sind sechs Arzneimittel mit dem Wirkstoff PMSG zugelassen. Sie dienen allein oder in Kombination mit anderen Hormonpräparaten dazu, den Sexualzyklus bei Schweinen und Wiederkäuern (Rindern, Schafen und Ziegen) auszulösen oder zu synchronisieren. Systematisch wird das Mittel hierzulande in der Ferkelproduktion genutzt.

Für Schweinezüchter ist das Hormon aus mehreren Gründen vorteilhaft. Mit den Präparaten dürfen sie ohne individuellen Behandlungsgrund ganze Tiergruppen behandeln. Ihre Jungsauen werden dadurch früher und zudem zeitgleich geschlechtsreif.

Auch nach dem Absetzen der Ferkel werden die Muttersauen durch das Spritzen des Medikaments wieder schneller brünstig. Ihr Eisprung erfolgt früher und sie werden schneller wieder schwanger. Die Sauen können zudem gleichzeitig besamt werden und der Zeitpunkt der Geburten ist genau planbar.

Ferkel wie auf Bestellung

Die Ferkel in den Zuchtbetrieben kommen durch die hormonelle Synchronisation alle etwa zur gleichen Zeit auf die Welt. So können die Züchter sie in der gewünschten Anzahl an die Aufzuchts- bzw. Mastbetriebe liefern. Diese können dadurch vermeiden, Tiere aus mehreren Betrieben beziehen zu müssen, die sich möglicherweise gegenseitig mit Keimen aus den anderen Betrieben anstecken. Das verringere den Einsatz von Medikamenten, argumentieren die VerfechterInnen des Wirkstoffs. Das synchronisierte Verhalten der Tiere vereinfacht zudem die Betriebsabläufe wie die Reinigung von Stallabteilen und die Ferkelversorgung.

Durch die von dem Hormon PMSG ausgelöste Einnistung besonders vieler Eizellen in der Gebärmutter kann es zu vermehrten Fehlgeburten kommen. Die Sauen bekommen dennoch mehr Ferkel pro Wurf. Dadurch kann es dazu kommen, dass die Sauen mehr Ferkel als Zitzen haben und nicht alle versorgen können. Wie in der Vergangenheit aufgedeckt wurde, werden überzählige Ferkel regelmäßig getötet.

Es gibt Alternativen

Nicht alle Zuchtbetriebe nutzen Hormone, um ihre Sauen zu synchronisieren. Auf Bio-Betrieben ist deren Einsatz ohnehin nicht erlaubt. Mittels geeigneter Licht- und Fütterungszyklen sowie Eberkontakt beeinflussen diese Betriebe den Zyklus der Sauen. Diese Art ist allerdings aufwändiger, auch bei den Geburten, da die Sauen in einem größeren Zeitraum abferkeln. Wollen Betriebe nicht auf eine hormonelle Steuerung verzichten, können sie synthetisch hergestellte Wirkstoffe einsetzen. Derzeit gibt es 36 Arzneimittel, die ZüchterInnen alternativ zu PMSG-haltigen Präparaten verwenden können.

Bisherige Konsequenzen des Skandals

Die Medienberichten über den brutalen Umgang mit trächtigen Stuten in Südamerika hatten in mehreren Ländern zu teils heftiger Kritik geführt. Die Regierungen der betroffenen Länder Uruguay und Argentinien gingen den Vorwürfen nach und haben sie zu großen Teilen bestätigt.

Anders als etwa der Schweizer Bauernverband lehnt es der Deutsche Bauernverband ab, seine Mitglieder zum Verzicht auf PMSG aufzufordern. Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Fleischhygiene, Tierschutz und Verbraucherschutz fordert dagegen von der EU einen sofortigen Importstopp von PMSG aus Südamerika. Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte nimmt die Pharmaunternehmen in die Verantwortung. Sie hätten dafür zu sorgen, dass die Haltung und der Umgang mit den Stuten deutschen bzw. europäischen Tierschutzstandards genüge. Abtreibungen hält der Verband für grundsätzlich nicht hinnehmbar. Der Hersteller MSD bezieht nach eigenen Angaben das Blutplasma zur PMSG-Gewinnung für den europäischen Markt inzwischen nur noch aus Europa.

Im Mai 2016 haben die Agrarressorts der Länder den Bund gebeten, darauf hinzuwirken, dass auch in außereuropäischen Produktionsländern die Tierschutzstandards Deutschlands bzw. der EU einzuhalten sind. Sollte die Produktion von PMSG nicht mit hiesigem Recht vereinbar sein, wäre ein Einfuhr- und Anwendungsverbot auf EU- bzw. auf nationaler Ebene zu prüfen. Die Europäische Kommission plant jedoch derzeit kein Einfuhrverbot des Hormons PMSG.

Unser Fazit

Uns liegen keine Informationen vor, dass sich die Zustände auf den Stutenfarmen in Südamerika inzwischen im Sinne der Tiere wesentlich geändert haben. Auch der für die Bilder aus Südamerika verantwortliche Tierschützer York Ditfurth vermutet, dass es auch anderthalb Jahre nach den Enthüllungen um das Wohl der Tiere höchstwahrscheinlich nicht besser steht.

Unabhängig davon kritisieren wir grundsätzlich die Nutzung von Pferdeblut, um die Produktion von Schweinefleisch weiter zu steigern sowie auch die Schweinemast an sich.

Der Artikel Pferdeblut für Schweinefleisch wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Senkt Rindfleisch Cholesterin? Studien-Tricks entlarvt

Fr, 02/06/2017 - 20:47
© Alexander Raths – Shutterstock

Wissenschaftliche Studien können wichtige und seriöse Argumente liefern, um den Schaden oder Nutzen von Produkten zu belegen. Da Studien in den Medien und der Öffentlichkeit ein hohes Ansehen genießen, eignen sie sich auch zur Produktwerbung sowie zur Verharmlosung von Risiken. So nutzen Unternehmen sowie Interessengruppen der Pharma- und der Lebensmittelindustrie wissenschaftlich wirkende Publikationen auch, um ungesunde oder nutzlose Produkte in ein besseres Licht zu rücken. Wir haben die gängigsten Methoden zusammengefasst, die genutzt werden, um Konsumenten und Konsumentinnen zu täuschen.

Gute Verbreitung von schlechten Studien

Manche überholten Empfehlungen bleiben hartnäckig in den Köpfen hängen, auch wenn es längst aktuellere oder bessere Studien mit anderen Ergebnissen gibt. Eine jahrzehntelange Einflussnahme durch zahlreiche gesponserte Studien (etwa zur Wirksamkeit einzelner Präparate) hinterlässt noch Jahre später Spuren mit bisweilen ernsten Folgen. Ein bekanntes Beispiel hierzu ist die seit den 1960er Jahren beliebte und jahrzehntelang propagierte Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden mit Östrogen. Dabei waren schon zu Beginn der 1940er Jahre Hinweise auf ein erhöhtes Brustkrebsrisiko bekannt. Erst mithilfe einer großen Studie aus dem Jahr 2002 konnte belegt und breitflächig kommuniziert werden, dass diese Östrogenpräparate das Risiko für Herz- sowie Krebserkrankungen, einschließlich Brustkrebs erhöhten. Die Gesundheitsrisiken der Einnahme von Hormonpräparaten waren höher als ihr Nutzen. Als darauf die Zahl der Verschreibungen zurückging, nahm auch die Zahl der Brustkrebsfälle ab.

Das Problem: Studien, die explizite Nebenwirkungen von Medikamenten und anderen Produkten untersuchen, werden von der Industrie häufig nicht finanziert. WissenschaftlerInnen, die ungewollte Studien durchführen und publizieren, haben zudem das Problem, auch zukünftig kaum an Forschungsgelder aus der Wirtschaft zu kommen.

Ungeeignete Studien als Beweise

Ein Nachweis für die Wirksamkeit einer Behandlung, also z. B. die Einnahme eines Präparats, Lebensmittels oder eine Ernährungsumstellung, sollte mit statistisch geeigneten Methoden erfolgen. Dazu eignen sich unter anderem kontrollierte klinische Studien. Um etwa den Einfluss von gesättigten Fettsäuren auf den Cholesterinspiegel zu untersuchen, müssen bei den untersuchten Personen jeweils zwei Messwerte vorliegen: ein Wert vor einer Ernährungsumstellung und ein Wert danach. Nur so kann man einen Zusammenhang zwischen der Aufnahme an gesättigten Fettsäuren und einem Anstieg des Cholesterins erkennen.

Bei einer bloß einmaligen Messung des Cholesterins gelingt das nicht. Denn die Cholesterinwerte einzelner Menschen unterscheiden sich erheblich voneinander, allein schon aufgrund genetischer Unterschiede. Diese verschleiern den Einfluss der Ernährung bei einer einzelnen Messung. Trotzdem nutzt die Industrie diese Art von Untersuchung, um beispielsweise ungesunde Eigenschaften von Lebensmitteln zu verbergen. So kann sie etwa behaupten, gesättigte Fettsäuren in Milch führten nicht zu einem Anstieg des Cholesterins und damit auch nicht zu einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen.

Ungenaue Methoden und falsche Schlussfolgerungen

In Studien ist es sehr wichtig, die TeilnehmerInnen korrekt einzuordnen. Will man beispielsweise vegetarisch lebende Menschen untersuchen, schließt aber fischessende und vegane Personen als VegetarierInnen mit ein, erschwert das Vergleiche mit anderen Studien, die diese Gruppen getrennt behandeln. Die untersuchten Gruppen müssen zudem ausreichend groß sein, um Vergleiche untereinander sowie generelle Aussagen zu ermöglichen.

Irreführend sind auch Studien, die mögliche Einflussfaktoren einer Behandlung nicht voneinander trennen. Das passiert etwa, wenn man Personen mit einem ungesunden Essverhalten auf eine deutlich gesündere Diät setzt und ihnen zusätzlich ein Präparat oder bestimmtes Lebensmittel gibt. Diesem darf man dann keine gesundheitliche Verbesserung zuschreiben. Tatsächlich kam eine Studie auf diesem Weg zum Ergebnis, dass Rindfleisch Cholesterin senke. Dabei waren bei der Ernährungsumstellung der untersuchten Personen zusätzlich zum Verzehr von Rindfleisch so viele andere Faktoren günstiger als vorher, dass nicht von einem positiven Einfluss des Rindfleischs auszugehen ist.

Die Auswahl der zu untersuchenden Daten sollte gewissenhaft erfolgen. Beispielsweise sind Werte, die nichts über den Anstieg an Cholesterin aussagen, für diesbezügliche Gesundheitsaussagen ungeeignet. Genau das hat eine Studie des American Egg Board gemacht, das den Konsum von Eiern propagiert. Diese untersuchte den Cholesterinwert »Fastening Cholesterol«, der allerdings erst am nächsten Morgen und damit mehrere Stunden nach dem Essen gemessen wird. Der Spiegel sinkt bis dahin wieder. Dadurch war der sonst übliche Anstieg von Cholesterin im Blut durch den Verzehr von Eiprodukten nicht mehr nachzuweisen und der Wert unbrauchbar, wie andere ForscherInnen daraufhin antworteten. Auch kurze, starke Anstiege von Cholesterin über den Tag verteilt sind außerdem gesundheitsschädlich. Diese Studie wird u. a. von der Eierindustrie genutzt, um die Risiken des Eierkonsums kleinzureden.

Abhängige Forschung

Lobbyverbände oder Firmen sponsern zahlreiche WissenschaftlerInnen, Institute und Forschungsprojekte. Das kann in manchen Fällen deutlich die Forschung beeinflussen. Einige Studien stammen von Instituten, die Ableger oder gar Abteilungen von Herstellern oder Interessenverbänden sind. Ein Beispiel ist das jahrelange Sponsern von Studien durch die Bleiindustrie, um die schädliche Wirkung von Blei in der Umwelt und in Lebensmitteln kleinzureden.

Die Nutzung der Medien

Nicht nur die Studien selbst spielen eine Rolle für die Meinungsbildung, sondern auch die mediale Berichterstattung darüber – etwa in einflussreichen Tageszeitungen. Das gilt ebenfalls für die Wahrnehmung von Studien innerhalb der Wissenschaft. So zitierten WissenschaftlerInnen in ihren eigenen Studien besonders häufig solche Untersuchungen, über die zuvor die New York Times berichtet hatte.

Da Journalistinnen und Journalisten häufig unter Zeitdruck komplexe Zusammenhänge mit wenigen Worten erklären und zudem gern zuspitzen, fallen in der Berichterstattung einschränkende Ergebnisse und Aussagen von Studien oft weg. Eine fachlich fundierte Bewertung der Ergebnisse erfolgt häufig nicht. Dies ist auch zahlreich bei den obigen Ergebnissen zur angeblich nicht vorhandenen Wirkung von Eiern auf den Cholesterinspiegel geschehen. Oftmals nutzen Redaktionen zudem nur Pressemitteilungen zu Studienergebnissen. Das wissen auch die Auftraggeber der Studien, die aus der ungeprüften Berichterstattung einen Nutzen ziehen.

Werbung statt Studien

Wenn Studien nicht zu einem von den Auftraggebern gewünschten Ergebnis kommen, besteht die Möglichkeit, die ganze Studie oder einen Teil der Ergebnisse nicht zu veröffentlichen. Das führt automatisch dazu, dass sich das Verhältnis von kritischen Studien zugunsten der Interessenverbände verschiebt.

Unabhängig davon können Unternehmen ein geschicktes Marketing zur Verbreitung eines womöglich ungesunden Produkts einsetzen. Dazu zählen etwa an Kinder gerichtete Werbemaßnahmen. Hersteller und Verbände reizen dabei häufig den gesetzlich vorgegebenen Rahmen für spezielle Werbeformulierungen aus. Der E-Mail-Verkehr bzgl. mehrerer Werbeversprechen des American Egg Board mit der entsprechenden Kontrollbehörde in den USA zeigt, wie nahe und wenig nachvollziehbar verbotene und erlaubte Behauptungen zur Bewerbung von Eiern in diesem Fall beieinander liegen: Beispielsweise hat die Behörde die Verwendung des Begriffs »nutrient-dense« (in etwa: reich an Nährstoffen) für Eier zugelassen, während sie die Verwendung von »nutritious« (nahrhaft) dafür verboten hat.

Wege zu einem kritischen Urteil

Wer die Aussagekraft von Studienergebnissen selbst beurteilen will, sollte prüfen, inwieweit u. a. die oben genannten Methoden auf die jeweiligen Studien zutreffen: Wer sind die Autorinnen und Autoren der Studien, wer hat sie finanziert? Klingen die verwendeten Methoden und Messwerte sinnvoll? Haben die Autoren zudem wichtige andere Veröffentlichungen zu dem Thema zitiert? Haben sie wichtige oder kontroverse Studien ausgelassen? Passen die Ergebnisse zu bisherigen Studien? Zu einem fundierten Urteil zu gelangen, ist gerade für Laien meist schwierig. Eine erste Einschätzung ist aber nach etwas Training oft möglich. Weitere Hinweise zur Bewertung von Studien und wissenschaftlichen Arbeiten gibt es in diesem kurzen Video, in diesem Übersichtsartikel, in dieser Checkliste und in diesem Video-Kurs zum »Forschen lernen«.

Der Artikel Senkt Rindfleisch Cholesterin? Studien-Tricks entlarvt wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Yorma’s: Neues veganes Baguette

Fr, 02/06/2017 - 14:50
© Yorma’s

Yorma’s sorgt dafür, dass das vegane Angebot an Bahnhöfen größer wird: Nach Gesprächen mit uns hat die Imbisskette jetzt ihr veganes Angebot erweitert. Statt Frischkäse gibt es auf dem zuvor vegetarischen Salatbaguette auf unsere Anregung hin jetzt einen pflanzlichen Aufstrich. So können auch VeganerInnen zugreifen. Neben dem Baguette bietet Yorma’s vegane Quinoa- und Couscous-Salate sowie einen Obstbecher an. Die Produkte sind deutschlandweit erhältlich.

Wir freuen uns sehr darüber, dass Yorma’s unsere Anregungen positiv aufgenommen hat. Das Unternehmen erfüllt so den Wunsch vieler Gäste nach schnellem veganem Essen für unterwegs. Damit bedient es die Nachfrage in einem Bereich, in dem Auswahl und Verfügbarkeit pflanzlicher Produkte noch immer begrenzt sind.

Geben Sie Feedback

Haben Sie das vegane Baguette bereits probiert? Dann teilen Sie Yorma’s doch mit, wie es Ihnen geschmeckt hat – zum Beispiel bei Facebook oder hier.

Der Artikel Yorma’s: Neues veganes Baguette wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Virtual Reality: Eindrücke von unserer iAnimal-Tour

Sa, 20/05/2017 - 15:45
© Julia Diedrich

Ende April: Regen und Temperaturen nahe am Gefrierpunkt machen die erste Woche unserer Tour zu einer Herausforderung. Nicht immer reichen unsere Schilder und Rucksackfahnen, um die Aufmerksamkeit der Passantinnen und Passanten zu erregen. Da hilft es erstaunlich gut, die Leute lautstark herbeizurufen. Offenbar finden einige Menschen unseren Einsatz unter diesen Bedingungen besonders anerkennenswert.

In Regensburg regnet es natürlich auch, als ein Mann zielstrebig auf uns zukommt. »Also ich muss euch jetzt mal was sagen«, setzt er im energischen Tonfall an. Wir erwarten ein schwieriges Gespräch. »Es ist großartig, dass ihr euch so für Tiere einsetzt, bitte macht weiter so!«

Wärme und Sonne erleichtern es uns in der zweiten Woche, die Menschen an unseren Stand zu holen und für die Teilnahme an der Vegan Taste Week zu gewinnen. Die Virtual-Reality-Brillen mit den 360°-Filmen des iAnimal-Projekts von Animal Equality sind natürlich im wahrsten Sinne ein Hingucker. Die Aufnahmen und Geräusche aus dem Alltag von Schweinen und Hühnern in Tierfabriken gehen unter die Haut. In fast allen Städten bekommen wir Besuch von der Presse und die Medien berichten vielfach über unsere Aktion, häufig bereits im Vorfeld. Das Münchner Lokalfernsehen kommt sogar mit einem Team vorbei und zeigt in seinem Bericht Ausschnitte aus den iAnimal-Filmen.

Mancherorts ist das Interesse an dem eindrücklichen Filmerlebnis so groß, dass sich lange Warteschlangen bilden. Nach fünf Stunden ununterbrochenem Einsatz der Brillen machen in München und Freiburg die Akkus schlapp.

Krasse Reaktionen © Rieke Petter – Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

Das Betrachten der Filme schafft immer wieder eine gute Gesprächsgrundlage. Wir drängen dennoch die Leute nie dazu, sich die Filme aus den Tierhaltungsbetrieben anzusehen. Denn diejenigen, die es sich zutrauen, sind in der Regel schockiert. Zwei 16-jährige Mädchen wollen die Brillen ausprobieren, trotz unserer Warnungen vor den schrecklichen Bildern. Sie geben sich total abgebrüht, »alles schon im Internet gesehen«, man könne sie nicht schocken. Die erste setzt die Brille auf und nach einer Minute wieder ab. »Doch sehr krass«, sagt sie. Mehr kommt nicht mehr aus ihr heraus.

Eine Frau schluchzt und schüttelt sich. Sie greift nach der Hand einer unserer Mitarbeiterinnen, will den Film aber unbedingt weiter anschauen: »Ich muss das jetzt sehen. Ich darf nicht mehr die Augen davor verschließen.« Nach dem Video bleibt sie noch zu einem längeren Gespräch. Danach scheint sie mit dem guten Gefühl zu gehen, dass sie selbst etwas ändern kann.

Paare sehen sich die Filme oft gleichzeitig auf jeweils einer eigenen VR-Brille an. Man kann dann häufig beobachten, wie sie bei den gleichen Szenen zusammenzucken. Plötzlich schreit ein Mann bei einer grausamen Filmszene laut auf. Jetzt zucken die Umstehenden zusammen.

Unerwarteter Zuspruch © Rieke Petter – Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

In Konstanz ist es schwierig für uns, einen Parkplatz zu bekommen. Wir finden nur einen Firmenparkplatz. Auf einem Zettel entdecken wir die Nummer des Hausmeisters und rufen an. Dieser ist begeistert von unserem Protest gegen die Massentierhaltung, wünscht uns viel Erfolg und erlaubt uns, unser Auto bis zum Abend dort zu parken. Die Stadt meint es offenbar gut mit uns. Eine Frau lobt überschwänglich unsere Arbeit und beglückt uns mit grünen Smoothies. »Eine kleine Unterstützung, die euch zusätzlich Kraft geben soll.« Das Café Voglhaus mag uns auch und wir dürfen kostenlos bei ihnen leckere vegane Gerichte mitnehmen.

Wir sind ziemlich überrascht, sogar einem Landwirt und Tierhalter gefällt unser Engagement: »Es muss sich ja wirklich etwas ändern. Ich verdiene jetzt zwar noch mein Geld damit. Aber ich drücke euch trotzdem die Daumen, dass ihr erfolgreich seid mit eurer Kampagne.«

Unterschiedliche Ansichten © Rieke Petter – Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

Am Stand ist eine junge Frau verzweifelt: »Ich verstehe, dass auch für Milch und Eier Tiere leiden und sterben müssen. Aber ich schaffe es noch nicht komplett vegan. Das ist einfach zu krass für mich!« Wir beruhigen sie: »Machen Sie es doch einfach so krass, wie sie können. Nehmen Sie öfter Pflanzenmilch oder backen Sie ohne Eier. Die Vegan Taste Week gibt Ihnen dazu die wichtigsten Tipps.«

Ein Mann hingegen beharrt darauf, dass der Mensch doch von Natur aus ein Raubtier sei. Seine drei kleinen Kinder stehen währenddessen an unserem Schweinemodell im Abferkelstand. Eines will dem Schwein zu essen geben, das zweite streichelt es, das dritte fragt den Papa, ob wir das Schwein nicht freilassen können.

Eine vegetarische Familie will unbedingt die Filme in ganzer Länge sehen. Sie wollen nie vergessen, warum sie kein Fleisch essen, und sich so darin bestärken, dass sie das Richtige tun.

In München will uns ein Schweinezüchter erklären, dass die Zähne der Ferkel abgeschliffen werden müssen. »Sonst entzünden sich die Zitzen der Sau und fallen ab.« Wir schaffen es, freundlich miteinander umzugehen. Er ist neugierig und will sich anschauen, was wir den Menschen zeigen. Er sieht sich das Video mit den Schweinen bis zum Ende an. Danach schweigt er kurz. »Finde ich gut, dass Sie den Menschen zeigen, wie es wirklich ist. Die Menschen müssen sehen, wo ihre Lebensmittel herkommen.«

Der Artikel Virtual Reality: Eindrücke von unserer iAnimal-Tour wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Tierrechtlerin nach ihrem Freispruch im Interview

Fr, 19/05/2017 - 17:54
© Jo-Anne McArthur / WeAnimals.org

Sie wurde angezeigt, weil sie an einem heißen Tag durstigen Schweinen auf dem Weg ins  Schlachthaus Wasser gab. Anita Krajnc (gesprochen »Krainz«), die Mitbegründerin der kanadischen Tierrechtsgruppe Toronto Pig Save schüttete im Juni 2015 Wasser zu den Tieren in den Tiertransporter. Der Fahrer forderte sie auf, damit aufzuhören, beschimpfte sie und rief die Polizei. Sie wurde wegen Sachbeschädigung verklagt und ihr drohten im Falle einer Verurteilung eine Geldbuße oder sogar Haft. Der Fall sorgte international für Aufsehen. Anfang Mai 2017 sprach ein kanadisches Gericht die Angeklagte schließlich frei. Wir haben Anita Krajnc dazu interviewt.

Was hat Sie dazu bewegt, Toronto Pig Save zu gründen?

Ich habe ein paar Jahre in der Nähe eines Schweineschlachthofs im Zentrum von Toronto gelebt. Aktiv wurde ich erst Ende 2010, nachdem ich meinen Hund, Mr. Bean, adoptiert hatte. Bei einem Spaziergang mit Mr. Bean in meinem Viertel in Downtown-Toronto beobachtete ich eines Tages etwas Schreckliches – sieben oder acht Transportwagen voller junger Schweine auf dem Weg zum Schlachthof. Beim Blick ins Innere des Fahrzeugs schaute ich in die Gesichter von traurigen und völlig verängstigten Schweinen – jedes einzelne von ihnen ähnelte auf erschreckende Weise meinem Hund, der neben mir stand. Dieser Anblick erschütterte mich zutiefst und ich wusste, dass ich etwas tun musste. Kurz darauf gründete ich zusammen mit anderen Tierrechtlern Toronto Pig Save.

Was macht Toronto Pig Save?

Unsere wichtigste Strategie ist es, bei den leidenden Tieren zu sein und ihnen beizustehen. Wie bereits Dr. Albert Schweitzer sagte: »Denke gelegentlich an das Leid, dessen Anblick du dir ersparst.« In seinem Buch Kalender der Weisheit spricht Tolstoi von der Pflicht, sich nicht von Leid abzuwenden, sondern hinzuschauen: »Wenn das Leid eines anderen Lebewesens dich schmerzt, folge nicht deinem ersten Impuls, vor dem Leidenden zu fliehen. Im Gegenteil, komm näher, komm so nahe wie möglich an den Leidenden heran und versuche, ihm zu helfen.«

Toronto Pig Save hält wöchentliche Mahnwachen vor den Toren des Schlachthofs und an Ampeln, an denen die Tiertransporter kurz anhalten und wir die Möglichkeit haben, mit den Tieren in den Fahrzeugen Kontakt aufzunehmen. Im Sommer, wenn die Tiere in den überhitzten Transportern schwer keuchen und Schaum vor dem Mund haben, geben wir ihnen Wasser.

Indem wir die Fotos und Videos unserer Mahnwachen online veröffentlichen, stellen wir die Verbindung her zwischen dem in Zellophan verpackten Fleisch in Supermärkten und den einzelnen Tieren, die zum Schlachthaus transportiert werden. Viele Menschen entscheiden sich wie wir für das vegane Leben und beginnen, sich für Tiere einzusetzen. Es wurden bereits neue Gruppen in Kanada, den USA, Australien, Europa, Südamerika und eine in Asien (Hong Kong Pig Save) gegründet. Sie alle halten vor den örtlichen Schlachthäusern Mahnwachen und bilden zusammen The Save Movement.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Probleme bei Tiertransporten in Kanada?

Die Tiertransportbestimmungen in Kanada sind sehr schwach, sie gehören zu den schlechtesten in allen Industrieländern. Die Tiere werden über viele Stunden unter extremen Wetterbedingungen transportiert, ohne Ruhepausen oder Wasser. Viele von ihnen sind tot, wenn sie am Schlachthaus ankommen. Durch unsere Anträge auf Informationszugang fanden wir heraus, dass jeden Tag tote Schweine am Schlachthof Quality Meat Packers ankommen, weil sie aufgrund der sommerlichen Hitze beim Transport einen Herzinfarkt erlitten haben.

© Jo-Anne McArthur / WeAnimals.org

Wie oft haben Sie bereits Tiere bei Transporten versorgt?

Wir versorgen durstige Schweine schon seit etwa 2013 mit Wasser. Das Ungewöhnliche an der Mahnwache am 22. Juni 2015, einem drückend heißen Sommertag, bestand darin, dass der Fahrer aus dem Transporter ausstieg und ich später wegen Eingriffs in fremdes Eigentum angezeigt wurde – weil ich durstigen Schweinen, die in der Hitze litten, Wasser zum Trinken angeboten hatte. Genau das haben viele von uns in den letzten zwei Jahren immer wieder getan, oftmals sogar vor den Augen der anwesenden Polizei, die sich nur um unsere Sicherheit sorgte, aber für unser mitfühlendes Handeln Verständnis zeigte.

Was hat Sie bei dem Verfahren gegen Sie am meisten bewegt?

Ich glaube, die größte Auswirkung des sogenannten »Schweine-Prozesses« war die weltweite Aufmerksamkeit, die der Prozess für die Anwendung der Goldenen Regel bei notleidenden Tieren erzielte. Der Richter war aufgeschlossen und gestattete der Verteidigung die Präsentation von Beweismitteln über die fatalen ethischen, wissenschaftlichen, umweltbezogenen und gesundheitlichen Folgen der Fleisch-, Milch- und Eierindustrie. Dank seiner informierten Entscheidung wurde ich von der Anklage freigesprochen. Trotzdem hätte der Prozess eine noch viel größere Auswirkung haben können – wenn der Richter auf dem Weg zur unvermeidlichen Anerkennung der Rechte von Tieren als fühlende Wesen und Personen einen weiteren Schritt gemacht hätte. Aber das tat er leider nicht, sondern bezeichnete Schweine und andere Tiere gemäß kanadischem Recht einfach nur als Eigentum – was für die Tiere natürlich entwürdigend ist.

Was denken Sie über die Begründung des Gerichts für Ihren Freispruch?

Die Anklage wegen Eingriff in fremdes Eigentum wurde fallen gelassen, aber nur, weil ich nicht in fremdes Eigentum, also die Schweine auf dem Weg zum Schlachthof, eingegriffen habe. Ich habe den Transporter nicht angehalten. Ich habe nicht verhindert, dass die Schweine geschlachtet wurden. Daher erklärte der Richter, dass ich aus verfahrenstechnischen Gründen nicht schuldig bin. Allerdings finde ich es grundsätzlich falsch, Tiere als Eigentum zu erachten – genauso wie es vor Hunderten von Jahren falsch war, menschliche Sklaven als Eigentum und Frauen als Hab und Gut, als das Eigentum von Männern, anzusehen. Die Gesetze müssen zugunsten unserer tierischen Freunde geändert werden.

Wie haben Sie die Berichterstattung über Ihren Fall empfunden?

Ich denke, die Medienberichterstattung war ausgesprochen positiv. Sowohl die sozialen Medien als auch die Massenmedien haben das Bewusstsein und die Unterstützung für unsere Sache gestärkt. Vor diesem Prozess wussten die meisten Menschen nichts über die Situation der Tiere auf dem Weg zum Schlachthof, aber dank der enormen Medienberichterstattung konnte die Öffentlichkeit tatsächlich einen Blick in die Tiertransporter werfen. Die etablierten Fernsehsender berichteten ununterbrochen über den Vorfall vom 22. Juni, der zu meiner Verhaftung führte und den wir glücklicherweise auf Video aufgezeichnet hatten. Wenn ich in den Interviews sagte, dass die Schweine am Verdursten waren, spielten die Sender einen Videoclip ein, der die armen Schweine im Transporter zeigte, keuchend, mit Schaum vor dem geöffneten Mund. Es war klar und deutlich zu sehen, dass die Schweine extrem durstig waren.

Als die Medien unser Video Water for Poor Angel Pig Victims verlinkten, stieg die Zahl der Seitenaufrufe um 150.000 an. Die Medien verbreiteten Informationen über unsere Arbeit. Zum ersten Mal wurden unsere Aufnahmen der Schweine in den Transportern im großen Stil ausgestrahlt und erreichten die Massenmedien. Das hat dazu geführt, dass sich mehr Menschen an unserer Arbeit beteiligen, was von Anfang an unser Ziel war. Wir wollen nicht nur, dass die Menschen auf die vegane Ernährung umsteigen, sondern dass sie sich auch aktiv für die Tiere einsetzen!

War in der Verhandlung die Tatsache von Bedeutung, dass Ihre beiden Verteidiger vegan leben?

Meine beiden Anwälte, James Silver und Gary Grill, leben seit mehr als 20 Jahren vegan. Das hat sie dazu motiviert, diesen Fall zu übernehmen und eine umfassende und starke Verteidigungsstrategie zu entwickeln. Diese umfasste unter anderem ein Exposé über die ethischen, wissenschaftlichen, umweltbezogenen und gesundheitlichen Folgen der Fleisch-, Milch- und Eierindustrien. Sie veranlassten, dass die Neurowissenschaftlerin Dr. Lori Marino in der Verhandlung über das Empfindungsvermögen, die Gefühle und die Persönlichkeit von Schweinen sprechen durfte. Dr. Marino wies darauf hin, dass eine Person als ein eigenständiges Individuum definiert ist, das über ein Ich-Bewusstsein verfügt und komplexe Gefühle empfinden kann. Gemäß dieser Definition sind Schweine kein Eigentum, sondern Personen.

Professor Tony Weis, einer unserer Sachverständigen, sagte aus, dass die landwirtschaftliche Tierhaltung eine der wesentlichen Ursachen für die globale Erwärmung, Wasserverschmutzung, Entwaldung und die toten Zonen in den Weltmeeren ist. Er wies darauf hin, dass eine weltweite Umstellung der Ernährungsgewohnheiten erforderlich ist, um einen katastrophalen Klimawandel zu vermeiden.

Silver und Grill verfolgten bei meiner Verteidigung insbesondere die Strategie, dass ich zum Wohl der Allgemeinheit gehandelt habe, vergleichbar mit einem barmherzigen Samariter. Der Richter erkannte diese Darlegung allerdings nicht als Rechtfertigung an.

Haben sich Menschen aus der Fleischindustrie zu Ihrem Verhalten geäußert?

Ja, die Christian Farmers Federation erklärte, dass unsere Kampagne ihre Existenz gefährde. Wir haben nichts gegen die Menschen, die in der landwirtschaftlichen Tierhaltung arbeiten. Unser Ziel ist es vielmehr, das System der Tierausbeutung zu verändern. Es ist für enorme Umweltschäden verantwortlich und sehr schädlich für die menschliche Gesundheit und die Schlachthofmitarbeiter. Von einer Entwicklung hin zu einem nachhaltigen, tierfreundlichen Modell einer pflanzenbasierten Bio-Landwirtschaft würden wir alle profitieren.

Gab es weitere interessante Reaktionen?

Ich war so beeindruckt von der Unterstützung, die ich von Anfang an von PETA USA erhalten habe. Ingrid Newkirk, die PETA-Gründerin, nahm an zwei Gerichtsverhandlungen teil. Wir haben aus dem gesamten politischen Spektrum große Unterstützung erhalten, sogar von konservativen Autoren und Kommentatoren. Die Zeitschrift National Review veröffentlichte einen sorgfältig recherchierten Artikel mit dem Titel, »Showing Mercy to Suffering Animals Is Not ‚Criminal Mischief’« (»Mitgefühl gegenüber leidenden Tieren ist keine ‚Sachbeschädigung‘«). Der konservative kanadische Sportkommentator Don Cherry fand die Beschuldigungen ungeheuerlich und bezeichnete mein Verhalten auf Twitter als eine »gute Tat«. Die meisten Menschen waren sich einig darin, dass die Goldene Regel für alle Lebewesen gilt.

Halten Sie es für möglich, dass TiernutzerInnen und TierrechtlerInnen konstruktive Gespräche führen können?

Ja, denn wir verfolgen einen unvoreingenommenen Ansatz, der auf Liebe beruht. In Das Himmelreich in euch schrieb Tolstoi von der Notwendigkeit, dass Aktivisten das Gespräch mit ihren Gegnern suchen müssen, dass sie eine Verbindung herstellen und Fehlverhalten auf freundliche Weise aufzeigen sollten mit einer auf Liebe beruhenden Kommunikation.

Unser Verhalten bei den wöchentlichen Mahnwachen basiert auf Liebe. Wir sprechen mit den Mitarbeitern, Besitzern und Managern des Schlachthofs. Derzeit arbeiten wir gemeinsam mit der Organisation »In Defense of Animals« an dem Projekt »Hotline-Betreuung für Schlachthofmitarbeiter«. Ziel dieser Hotline-Betreuung ist es, den Mitarbeitern wichtige Informationen und Empfehlungen zukommen zu lassen, z. B. zu preiswerter Gesundheitsversorgung, Arbeitnehmerrechten, juristischen Ressourcen, Arbeitsvermittlungen und Aus- bzw. Weiterbildungsmöglichkeiten. Außerdem bieten wir ihnen psychische Unterstützung an. Schlachthofmitarbeiter brauchen Hilfe, denn viele von ihnen machen diese Arbeit, weil sie nur begrenzte Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten hatten oder haben bzw. keine andere Arbeit finden. Über die Hotline-Betreuung können sie alternative Berufsmöglichkeiten besprechen. Außerdem bietet die Hotline Mitarbeitern auch die Möglichkeit, anonym Erfahrungen mitzuteilen. So können gegebenenfalls Maßnahmen ergriffen werden, was zu mehr Verantwortlichkeit innerhalb der Branche führt.

Wird das Urteil Ihre zukünftigen Aktionen beeinflussen?

Unabhängig von den Konsequenzen werden wir weiterhin nach der Goldenen Regel leben, d. h. wir werden auch künftig durstige Tiere mit Wasser versorgen und unsere Opposition durch unsere Anwesenheit bei den Schlachthof-Mahnwachen noch umfassender bekunden. Das ist nicht nur unser Recht, sondern unser aller Pflicht. Unser Ziel ist es, noch mehr Menschen zur Teilnahme an Schlachthof-Mahnwachen einzuladen und neue lokale Save-Gruppen zu gründen. Auf unserer Website TheSaveMovement.org finden sich nützliche Informationen zur Gründung einer Save-Gruppe. Interessierte Menschen können auch jederzeit Kontakt zu uns aufnehmen unter SaveMovementInfo@gmail.com.

Welchen Rat geben Sie Menschen, die sich wegen ihrer Tierschutz-Aktionen ebenfalls strafrechtlicher Verfolgung (oder dem Risiko) ausgesetzt sehen?

Was in der Außenwelt passiert, ist unwichtig. Du bist, wer du bist und handelst nach deinem eigenen Gewissen. Leo Tolstoi schrieb im Jahr 1895 in seinem Tagebuch, dass wir selbst das innere Gesetz sind: »Dieses innere Gesetz ist dasselbe, was wir Vernunft, Gewissen, Liebe, das Gute, Gott nennen. Diese Worte haben verschiedene Bedeutungen, doch bestimmen sie alle ein und dasselbe von verschiedenen Seiten.«

Der Artikel Tierrechtlerin nach ihrem Freispruch im Interview wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Bio-Schlachthof muss dauerhaft schließen

Fr, 19/05/2017 - 12:29
© Dan Kosmayer – Shutterstock

Die Skandalserie um Tierschutzvergehen an bayerischen Schlachthöfen geht weiter. Vor wenigen Tagen musste ein deutscher Schlachthof aus Tierschutzgründen dauerhaft schließen. Videoaufnahmen hatten gravierende Verstöße dokumentiert. Dabei galt das betroffene Unternehmen in Fürstenfeldbruck nahe München als Musterbetrieb. Zu seinen Kunden gehörten unter anderem bekannte Verbände und Firmen der Biobranche wie Bioland, Naturland und Alnatura. 60 % der geschlachteten Tiere stammten aus Bio-Haltung.

Die Grausamkeiten auf dem Videomaterial sind kaum auszuhalten: Rinder werden mit Starkstromzangen traktiert, Schweine nach nur unzureichender Betäubung geschlachtet, ein Arbeiter tritt einem Schaf gegen den Kopf. Die Organisation Soko Tierschutz hat die Aufnahmen, die zwischen Juli 2016 und April 2017 entstanden sind, am 4. Mai veröffentlicht. Die Geschäftsführung des Schlachthofs bestritt die Echtheit der Aufnahmen zunächst, musste jedoch schon einen Tag später die Tierschutzvergehen zugeben. Am 9. Mai wurde die Schließung des Betriebs und die Entlassung aller Angestellten einschließlich der Geschäftsführung bekannt.

Nur einer von vielen Fällen

In den vergangenen Jahren kamen immer wieder Fälle von Tierquälerei in Schlachthöfen ans Licht. Aus dieser Häufung schließen wir, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern um systembedingte Missstände. Offenbar garantieren bei Fleischwaren weder ein Bio-Label noch eine regionale Herkunft, dass die Schlachtereien die ohnehin schon schwachen gesetzlichen Vorgaben auch einhalten:

  • Im März 2017 musste der größte belgische Schweineschlachthof schließen. TierschützerInnen hatten dort im Rahmen einer Undercover-Recherche Fälle von erheblicher Tierquälerei aufgedeckt.
  • Im Frühjahr 2016 dokumentierte eine Doktorarbeit gravierende Mängel und massive Tierschutzverstöße an bayerischen Schlachthöfen. Etwa ein Zehntel der kontrollierten Schweine war bei der Schlachtung nicht ausreichend betäubt. Nachdem die bayerische Verbraucherschutzministerin Ulrike Scharf die Mängel für behoben erklärte, mussten die Behörden im Dezember 2016 erneut Tierschutzverstöße feststellen. Eine weitere Sonderkontrolle im Februar 2017 kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, waren einige Angestellte eines Schlachthofs nicht in der Lage, eine unzureichende Betäubung zu erkennen. Ministerin Scharf kündigte als Konsequenz an, eine neue zentrale Kontrollbehörde für Schlachthöfe einzusetzen, die 2018 ihre Arbeit aufnehmen soll.
  • 2016 veröffentlichte die französische Tierrechtsorganisation L214 Videoaufnahmen aus französischen Schlachthöfen. Sie zeigen u. a., wie Mitarbeiter ein Schwein unbetäubt töten und einem Schaf mit einem Messer ins Auge stechen. Die Aufnahmen stammen teilweise auch aus Schlachthöfen für Bio-Betriebe. Das französische Landwirtschaftsministerium ließ daraufhin sämtliche 259 Schlachthöfe inspizieren. Das Ergebnis: Drei Betriebe mussten schließen und 80 wurden aufgefordert, Mängel zu beheben.
  • Im November 2015 machte der Verein gegen Tierfabriken qualvolle Zustände in 18 österreichischen Schlachthöfen öffentlich. Tiere wurden dort u. a. mit Elektrotreibern misshandelt. Die Beschuldigten erhielten Geldstrafen.
  • 2015 zeigte das ARD-Magazin »Fakt« erschütternde Aufnahmen aus dem Schlachthof Aschaffenburg. Arbeiter malträtierten Schweine mit Drahtbürsten; Tiere wurden mit Elektroschockern und Fußtritten getrieben. Gegen die betroffenen Mitarbeiter wurden »arbeitsrechtliche Schritte« eingeleitet.
  • 2014 schloss das schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerium den VION-Schlachthof in Bad Bramstedt für einige Wochen. Rinder waren hier vor der Schlachtung nicht oder nur unzureichend betäubt.
Bußgelder und Videoüberwachung: Was hilft?

Tierschutzverstöße in Schlachthöfen werden bisher meist völlig unzureichend geahndet. So wurden in den Jahren 2014 und 2015 allein in Bayern über 400 Tierschutzverstöße festgestellt, aber nur in elf Fällen Bußgelder verhängt. Und selbst diese Strafen sind so gering, dass die Betriebe sie »aus der Portokasse« zahlen können, wie der Sprecher der Bayern-SPD, Herbert Woerlein, ausführt. Er fordert, dass Landratsämter die Möglichkeit erhalten, Betriebe vorübergehend zu schließen.

Immer häufiger wird die Forderung nach einer Videoüberwachung in Schlachtbetrieben laut – nicht nur in Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland. Frankreich hat diesbezüglich bisher die größten Fortschritte gemacht: Nach den o. g. Missständen in französischen Schlachthöfen hat das Parlament einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht. Nach diesem sollen ab 2018 sämtliche Schlachthöfe mit Kameras ausgestattet sein. Die Videoaufnahmen können dann Tierärzte und Tierschutzbeauftragte auswerten. Auch in den Niederlanden gibt es Bestrebungen, eine Kameraüberwachung einzuführen.

Großbritannien nutzt zwar ebenfalls die Videoüberwachung – jedoch nur auf freiwilliger Basis. Ein weiteres entscheidendes Manko: Angestellte des Betriebs werten die Aufnahmen aus. Wie eine Studie zeigt, dienen die Aufnahmen nicht dem Tierschutz, sondern eher, um Fleischdiebstähle zu verhindern. Dies macht deutlich, dass bei einer Kameraüberwachung auf jeden Fall unabhängige Stellen die Aufnahmen prüfen müssen. Sonst ist ein sinnvoller Einsatz für den Tierschutz nicht gegeben.

Fazit

Solange das Schlachten von Tieren noch zum Alltag gehört, muss zumindest sichergestellt werden, dass die Tiere dabei so wenig wie möglich leiden.

Folglich besteht vor dem Hintergrund zahlreicher Fälle grausamer Tierschutzverstöße in Schlachthöfen dringender Handlungsbedarf. Hier muss die Politik Initiative ergreifen: Sie muss die Standards erhöhen und Verstöße dagegen mit empfindlichen Strafen belegen. Des Weiteren sind verlässliche Kontrollsysteme sowie vermehrte Kontrollen vor Ort wichtig – dafür braucht es mehr Stellen für entsprechendes Personal. Schließlich müssen auch die kontrollierenden Veterinärbehörden bei entdeckten Missständen härter durchgreifen.

Der Artikel Bio-Schlachthof muss dauerhaft schließen wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Greenpeace: Schweinehaltung ist im Regelfall illegal

Sa, 06/05/2017 - 15:06
Foto: © Animal Equality

Greenpeace ist seit einigen Monaten sehr aktiv rund um das Thema Fleisch. Dazu gehören u. a. Proteste gegen Billigfleisch und die Forderung, den Fleischkonsum zu halbieren.

Jetzt hat Greenpeace ein Rechtsgutachten vorgelegt, nach dem die konventionelle Schweinemast in der Regel gegen das Tierschutzgesetz und die Verfassung verstößt. Das Gutachten verweist auch auf unsere Analyse der Schweinemast, in der wir zu ganz ähnlichen Schlüssen kommen. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Punkte des Gutachtens vor:

Verordnung verstößt gegen Tierschutzgesetz

§ 2 Tierschutzgesetz regelt, dass Tiere angemessen ernährt und gepflegt sowie verhaltensgerecht untergebracht werden müssen. Außerdem darf man die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen, vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden. Diese allgemeinen Regelungen konkretisiert die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. Dabei darf sie dem Tierschutzgesetz nicht widersprechen. Das Gutachten stellt allerdings fest, dass genau das geschieht: Es komme »zu einer massiven Einschränkung und zum Teil zu einer Unterdrückung der Verhaltensbedürfnisse«. »Eine solche Haltungsform lässt sich in keiner Weise mit den Vorgaben des Tierschutzgesetzes in Einklang bringen«, konstatiert das Gutachten.

Das Gutachten gleicht die Anforderungen des Tierschutzgesetzes mit dem ab, was die Verordnung erlaubt und kommt zu den folgenden Schlüssen:

  1. Bei der Ernährung werden die Verhaltensmuster der Schweine stark eingeschränkt oder vollständig unterdrückt.
  2. Essenzielle Bedürfnisse der Schweine werden in der »Pflege« zurückgedrängt.
  3. Die Unterbringung entspricht nicht den Bedürfnissen der Tiere.
  4. Die Haltung führt zu diversen Erkrankungen, Verletzungen und Schmerzen, die vermeidbar wären.

Damit verstößt die Verordnung gegen das Tierschutzgesetz und deshalb muss das Landwirtschaftsministerium die Verordnung neu regeln.

Initiative Tierwohl unterschreitet ebenfalls das Tierschutzgesetz

Die Initiative Tierwohl regelt, dass pro Kilogramm Schweine- und Geflügelfleisch ein einstelliger Centbetrag an Tierhalter fließt. Damit setzen die Mäster leicht erhöhte Tierschutzstandards wie etwas mehr Platz oder Beschäftigungsmaterial um. Das Gutachten stellt zum einen fest, dass solche geringen Mittel nicht zu Wohlbefinden, sondern nur zu etwas weniger Tierleid führen können. Zum anderen reichen die bislang sehr kleinen Schritte der Initiative nicht aus, um die Anforderungen des Tierschutzgesetzes zu erfüllen.

Verstoß gegen das Grundgesetz

Seit 2002 hat der Tierschutz Verfassungsrang. Deshalb verstößt die Verordnung nicht nur gegen das Tierschutzgesetz, sondern auch gegen die Verfassung, wie das Gutachten erklärt. Damit wird eine Neuregelung der Verordnung noch dringender. Wenn das Bundeslandwirtschaftsministerium die Verordnung nicht maßgeblich überarbeitet, dann können die Bundesregierung, eine Landesregierung oder ein Viertel der Mitglieder des Bundestags per Normenkontrollklage das Bundesverfassungsgericht anrufen. Das Bundesverfassungsgericht könnte sodann die relevanten Teile der Verordnung für nichtig erklären.

Reaktion von Landwirtschaftsminister Schmidt auf das Greenpeace-Gutachten

Leider sieht unser Landwirtschaftsminister das alles ganz anders. Er hält die geltenden Vorgaben zur Schweinehaltung für verfassungskonform. Seine einzige (dünne) Begründung dafür scheint zu lauten, dass die Verordnung ohnehin immer wieder angepasst werde. Das kann einer gewissen Ironie nicht entbehren, denn Änderungen sind selten. Auch das Verbot von Legebatterien sowie die spätere Einbeziehung von »Kleingruppen-Käfigen« in das Verbot sind nur aufgrund des Bundesverfassungsgerichts erfolgt.

Der Artikel Greenpeace: Schweinehaltung ist im Regelfall illegal wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Wechsel von Copyright zu Creative Commons

Do, 04/05/2017 - 14:17
Creative Commons

Wir haben uns dafür entschieden, ab sofort alle unsere Texte unter eine Lizenz von Creative Commons zu stellen. Bei Creative Commons handelt es um eine Sammlung von Lizenzen, die weniger streng sind als das gebräuchliche und bislang auch von uns verwendete Copyright.

Ausgewählt haben wir die offenste Lizenz »Namensnennung«. Konkret bedeutet das, dass Sie alle unsere Texte in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten dürfen. Außerdem dürfen Sie die Texte verändern und darauf aufbauen. Die Nutzung ist für alle Zwecke erlaubt und darf sogar kommerziell erfolgen. Einzige Bedingung für die Verwendung unserer Texte ist, dass Sie die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt als Quelle nennen. Achtung: Als Bilder nutzen wir meistens Stockfotos, die wir nicht weitergeben dürfen. Diese sind dann separat mit einer Copyrightangabe versehen.

Warum der Wechsel zu Creative Commons?

Wir bereiten Informationen auf, von denen wir möchten, dass sie sich möglichst weit verbreiten. Nach einigen Überlegungen sind wir zu dem Schluss gekommen, dass unser altes Copyright-Modell diesem Wunsch entgegensteht. Deshalb machten wir uns auf die Suche nach einem Lizenzmodell, dass unsere Ziele unterstützt. Nachdem wir uns zuerst mit den strengeren Lizenzen von Creative Commons beschäftigt haben und immer wieder Verbreitungsfälle fanden, denen wir nicht im Weg stehen wollten, haben wir uns für die offenste Lizenz entschieden. Ein Beispiel: Damit unsere Texte über die Zustände in der Massentierhaltung (auch gekürzt oder ergänzt) in Büchern erscheinen können, mussten wir die kommerzielle Nutzung und die Bearbeitung der Texte erlauben.

Als gewisses Risiko sehen wir den Fall, dass sich z. B. politisch extreme Gruppen mit unseren Texten profilieren wollen. Die Verwendung muss zwar so erfolgen, dass nicht der Eindruck entsteht, wir würden diese Gruppen unterstützen, aber ein fader Beigeschmack würde bleiben. Nach einigen Abwägungen sind wir zu dem Schluss gekommen, das Risiko einzugehen und der Verbreitungsfreiheit Vorrang zu geben. Zur Not müssen wir unsere Texte in Zukunft wieder strenger lizenzieren.

Der Artikel Wechsel von Copyright zu Creative Commons wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.