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Tierschutz & Tierrechte
Aktualisiert: vor 4 Minuten 52 Sekunden

50.000 Unterschriften gegen Agrarministerin

Di, 22/08/2017 - 17:20

Pressemitteilung

© Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

Am Mittwoch, dem 23. August, um 11 Uhr fordert die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt öffentlich vor dem Landtag in Düsseldorf die Entlassung der nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministerin. Dazu übergeben die Tierschützer über 50.000 Unterschriften von Menschen, die ebenfalls die Entlassung von Ministerin Christina Schulze Föcking fordern.

Schulze Föcking ist eine Politikerin, die sich als Landwirtin präsentierte und Gesellschafterin eines Schweinemastbetriebs war, in dem grauenvolle Zustände herrschten. Sie schiebt jegliche Verantwortung von sich mit der Begründung, ihr Mann sei für die Tiere zuständig gewesen. Sie will von den angeblich schlimmsten Zuständen in der Betriebsgeschichte nichts gewusst haben. Solch eine Politikerin ist für etliche Menschen als Landwirtschaftsministerin untragbar. 50.000 haben einen Online-Appell der Albert Schweitzer Stiftung unterzeichnet, der von Ministerpräsident Armin Laschet die Entlassung der amtierenden NRW-Landwirtschaftsministerin fordert.

Ministerpräsident Laschet hat eine Terminanfrage für die Übergabe der Unterschriften absagen lassen. Auch das wird die Albert Schweitzer Stiftung in ihrer Aktion vor dem Landtag thematisieren: 20 Tierschützer werden groß ausgedruckte Fotos aus dem Betrieb von Schulze Föcking präsentieren. In ihrer Mitte wird ein abgesperrter Bereich für den Ministerpräsidenten reserviert sein, mit einem Schild »Herr Laschet, wo sind Sie?«. Davor wird die genaue Zahl der Unterzeichner stehen.

Die Aktion im Überblick:

Wann: Mittwoch, 23. August 2017, von 11:00 bis 12:00 Uhr
Wo: Platz des Landtags, 40221 Düsseldorf
Presse-Ansprechpartner vor Ort: Nicolas Thun, Tel.: 0152 – 34 34 44 09

Hintergrund:

Bis zu ihrer Amtsübernahme war Christina Schulze Föcking laut eigener Angaben Gesellschafterin des Schweinemastbetriebs, aus dem schreckliche Bilder an die Öffentlichkeit gelangten. Einer Stellungnahme des Betriebs zufolge gab es kurz vor ihrem Amtsantritt die schlimmsten Krankheitsverläufe in der Geschichte des Betriebs. Laut einem Gutachten müssen diese Zustände mindestens über mehrere Wochen hinweg angehalten haben.

Hat Christina Schulze Föcking von den Zuständen gewusst, dann steht sie strafrechtlich in der Verantwortung. Wenn sie als Gesellschafterin nichts davon gewusst haben sollte, wirft das ganz neue Fragen auf: Wie soll Christina Schulze Föcking für die Schweinehaltung in ganz NRW Verantwortung tragen, wenn sie nicht mal den eigenen Familienbetrieb im Griff hat? Oder waren die die dortigen Zustände gar nicht so ungewöhnlich, wie es der Betrieb glaubhaft machen will? Dann wäre davon auszugehen, dass Christina Schulze Föcking schon lange von Missständen wusste, aber nichts dagegen unternahm. In jedem Fall ist daher Christina Schulze Föcking aus Sicht der Albert Schweitzer Stiftung als Ministerin untragbar.

Hinzu kommt, dass Schulze Föcking das Verbandsklagerecht für Tierschutzorganisationen abschaffen will. Dieses Recht ist aber essentiell, um die Rechtmäßigkeit von Zuständen in der Massentierhaltung von Gerichten unabhängig beurteilen zu lassen und muss erhalten bleiben. Sonst haben Tierschützer noch weniger Möglichkeiten, gegen Missstände vorzugehen. Auch deshalb wird sich die Albert Schweitzer Stiftung weiter für die Entlassung von Schulze Föcking einsetzen.

Der Artikel 50.000 Unterschriften gegen Agrarministerin wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Aldi Nord erweitert Tierschutzpolitik

Fr, 11/08/2017 - 13:15
© Aldi Nord

Aldi Nord hat sich und seinen Geschäftspartnern mit seiner »Tierwohl-Einkaufspolitik« für Deutschland einen »verbindlichen Handlungsrahmen« gegeben. Das 21-seitige Dokument ergänzt und konkretisiert die Inhalte der internationalen Einkaufspolitik.

Gleich zu Anfang der Einkaufspolitik stellt Aldi Nord klar, nur mit solchen Geschäftspartnern zusammenzuarbeiten, die im Einklang mit der Richtlinie agieren. Andernfalls werden Verbesserungsmaßnahmen entwickelt oder Sanktionen bis hin zur Beendigung der Geschäftsbeziehung verhängt. Zum ersten Mal erwähnt Aldi Nord dabei sein »Tierwohl-Team«.

Allgemeine Maßnahmen und Ziele von Aldi Nord

Einige der neuen allgemeinen Maßnahmen sind:

  • Einsatz gegen die über das therapeutische Maß hinausgehende Verwendung von Antibiotika,
  • keine Produkte von gentechnisch veränderten Tieren und deren Nachfahren,
  • keine Produkte von exotischen und bedrohten Tierarten,
  • das Ziel, den Anteil tierlicher Bio-Produkte in Abhängigkeit von Nachfrage und Verfügbarkeit zu erhöhen,
  • das Ziel, dass mit Schmerzen verbundene Eingriffe am Tier nur mit wirksamer Betäubung vorgenommen werden.

Bereits in der Tierschutzpolitik von 2016 hat Aldi Nord erklärt, auf Pelz, Angorawolle, Kaninchenfleisch sowie auf Wachteln und Wachteleier zu verzichten.

Maßnahmen und Ziele zu einzelnen Tierarten

Bei Hähnchen– und Putenfleisch setzt Aldi Nord ausschließlich auf die CO2-Betäubung und verzichtet damit auf Methoden wie die Betäubung im Elektrowasserbad, die besonders häufig zu Fehlbetäubungen führt. Außerdem zahlt das Unternehmen für jedes verkaufte Kilogramm Geflügelfleisch und -wurst vier Cent an die »Initiative Tierwohl« – ab 2018 sind es 6,25 Cent. Mit diesen Beträgen werden kleine Verbesserungen wie die Gabe von Beschäftigungsmaterial und etwas mehr Platz umgesetzt.

Bei verarbeiteten Eiern will Aldi Nord spätestens bis 2021 komplett auf die Verwendung von Käfigeiern verzichten (bereits größtenteils umgesetzt). Im Laufe dieses Jahres will man zudem nur noch Eier von Hennen verkaufen, denen die Schnäbel nicht gekürzt wurden.

Das Unternehmen engagiert sich zudem in einem Pilotprojekt, in dem die Brüder der Legehennen nach dem Schlüpfen nicht getötet sondern gemästet werden.

Auch für jedes verkaufte Kilogramm Schweinefleisch zahlt Aldi Nord 4 bzw. bald 6,25 Cent an die »Initiative Tierwohl«. Seit Anfang des Jahres verzichten die Lieferanten zudem für Frischfleisch auf die Kastration von Ferkeln (außer bei Bio-Fleisch).

Als Ziele hat man sich gesetzt, nach Möglichkeiten zu suchen, die Haltung von Sauen zu verbessern sowie zu prüfen, ob das Hormon PMSG komplett aus europäischen oder synthetischen Quellen bezogen werden kann.

Bei Rinderfrischfleisch hat Aldi Nord umgesetzt, dass keine Rinder mehr im letzten Trächtigkeitsdrittel geschlachtet werden. Das Unternehmen verkauft auch einige Molkereiprodukte, welche die Einstiegskriterien des deutschen Tierschutzbunds erfüllen und/oder für deren Erzeugung Kühe Auslauf erhalten.

Das Unternehmen setzt sich zudem das Ziel, zu prüfen, ob man für Frischfleisch komplett auf die Schlachtung trächtiger Rinder verzichten kann. Außerdem soll festgestellt werden, wann man die ganzjährige und temporäre Anbindehaltung von Rindern beenden kann. Darüber hinaus prüft Aldi Nord, den Anteil von Molkereiprodukten mit erhöhten Tierschutzstandards auszuweiten.

Kontrollen

Aldi Nord kündigt an, die folgenden beschlossenen Ausschlüsse bis Ende 2018 stichprobenartig durch eigene oder externe Audits zu überprüfen: Käfigeier in verarbeiteten Produkten, Ferkelkastration, Schlachtung trächtiger Rinder sowie Lebendrupf/Stopfmast bei Gänsen und Enten.

Mehr Initiativen

Der Discounter gibt an, sich bereits in verschiedenen Projektgruppen zu engagieren und will dies ausweiten. Er befürwortet den Gedanken, weitere Tierarten in die Initiative Tierwohl (ITW) aufzunehmen und will die Anforderungen der ITW laufend weiterentwickeln. Konkret will er auch die Zusammenarbeit mit Lieferanten ausweiten, um z. B. bei den Themen Schlachtung tragender Rinder, Enthornung von Rindern und dem Schwanzkupieren bei Schweinen Fortschritte zu machen.

Proaktiver Dialog

Das Unternehmen will das Bewusstsein seiner Kunden für Tierschutzthemen steigern und das Thema über verschiedene Kanäle kommunizieren. Zudem informiert der Discounter seine Mitarbeiter und schult seine Einkäufer.

Aldi Nord gibt an, im regelmäßigen Austausch mit Tierschutzorganisationen zu stehen und nennt insbesondere die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, den Deutschen Tierschutzbund, Compassion in World Farming sowie Vier Pfoten.

Vegetarisch/veganer Bereich

In diesem Bereich hat Aldi Nord die Eigenmarke »Mein Veggie Tag« eingeführt. Der Discounter fordert zudem seine Lieferanten auf, auf vermeidbare Kleinstmengen tierlicher Inhaltsstoffe zu verzichten.

Das Ziel des Unternehmens ist, das Angebot an vegetarischen und veganen Produkten in Abhängigkeit der Nachfrage weiter auszubauen sowie die Zahl der mit dem V-Label zertifizierten Produkte zu erweitern.

Im Non-Food-Bereich betont Aldi Nord, regelmäßig Produkte aus Lederalternativen anzubieten. Im Kosmetik- und Körperpflegesegment bietet der Discounter zudem vegane Produkte an, die ab Herbst mit der Veganblume der Vegan Society gekennzeichnet werden.

Tierschutzstandards im Non-Food-Bereich

Bei Kosmetik verzichtet Aldi Nord auf Nerzöl; bei Daunen und Federn steigt das Unternehmen schrittweise auf die Zertifizierungen »Responsible Down Standard«, »Global Traceble Down Standard« oder »Downpass« um. Bei Schafswolle prüft das Unternehmen die Umstellung auf den »Responsible Wool Standard«. In der »Leather Working Group« will Aldi Nord gemeinsam mit anderen Unternehmen den Tierschutz in der Lederproduktion stärker berücksichtigen.

Zwischenfazit zur Richtlinie

Aldi Nord lässt dem Tierschutz zweifelsohne eine stetig wachsende Bedeutung zukommen. Das zeigt zum einen die Etablierung eines eigenen Teams für diesen Bereich. Zum anderen hat das Unternehmen seine Einkaufspolitik im Vergleich zum Vorjahr deutlich ausgebaut. Zweifelsohne hat der Discounter, genauso wie der restliche Lebensmitteleinzelhandel, noch einen weiten Weg vor sich. Die Richtung stimmt allerdings und das Tempo ist angesichts der vielen und teils komplexen Baustellen beachtlich – insbesondere dann, wenn der Discounter seine neu gesetzten Ziele erreicht.

Der Artikel Aldi Nord erweitert Tierschutzpolitik wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Staatsanwaltschaft handelt falsch

Do, 03/08/2017 - 12:53

Pressemitteilung

© tierretter.de

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt sieht im Schweinemastskandal rund um die Landwirtschaftsministerin von NRW einen klaren Fall von organisierter Unverantwortlichkeit. Die Staatsanwaltschaft begehe einen Fehler damit, nicht gegen Christina Schulze Föcking zu ermitteln. Die Ministerin müsse sich jetzt für eine Wahrheit entscheiden.

Die Staatsanwaltschaft Münster argumentiert, keine Ermittlungen gegen Christina Schulze Föcking einzuleiten, weil sich die amtierende Ministerin in den letzten Jahren aus der Bestandsbetreuung der Tiere zurückgezogen habe. Aus Sicht der Albert Schweitzer Stiftung würdigt die Staatsanwaltschaft dabei nicht den Umstand, dass Christina Schulze Föcking zum Zeitpunkt der Aufnahmen persönlich haftende Gesellschafterin des Betriebs war und offenbar in unmittelbarer Nachbarschaft der Stallungen wohnt. »Die Staatsanwaltschaft macht es sich viel zu einfach, nicht von einem Anfangsverdacht gegen die Ministerin auszugehen«, kommentiert Mahi Klosterhalfen, Geschäftsführer der Stiftung. »Frau Schulze Föcking mag zwar intern etwas mit ihrem Mann geregelt haben, aber strafrechtlich bleibt sie in der Verantwortung.«

Die Verantwortung auf andere abzuschieben, sobald es brenzlig wird, ist ein beliebter Schachzug in Wirtschaft und Politik. »Wir sollten die Ministerin nicht so einfach damit davonkommen lassen«, so Klosterhalfen. »Wenn Christina Schulze Föcking in unmittelbarer Nähe zu den Schweineställen lebt, dann kann sie uns nicht erzählen, über Wochen hinweg nichts von gravierenden Missständen und dem Leiden der Tiere mitzubekommen.« In der Stellungnahme des Betriebs heißt es zudem, dass es noch niemals zuvor derartige Probleme mit den Tieren gab. »Dass Herr Schulze Föcking seiner Frau und Co-Gesellschafterin davon nicht erzählt haben soll, ist unglaubwürdig«, so Klosterhalfen. »Oder die Probleme waren eben doch nicht so einzigartig wie es uns der Betrieb glauben lassen will. Dann hätte das Christina Schulze Föcking erst recht wissen müssen.«

Zudem betont die zur Ministerin avancierte Schweinemästerin stets ihre Nähe zur praktischen Landwirtschaft und stellt sich auf der Webseite des Landtags auch heute noch als »Landwirtin« vor. Ist das also nur Imagepflege, wenn sie sich tatsächlich – wie offenbar der Staatsanwaltschaft gegenüber erklärt – 2015 aus dem Betrieb zurückgezogen hat? Und selbst dann: dass die Ministerin sich demnach über längere Zeit nicht für das Wohlergehen der eigenen Tiere interessiert haben will, weckt massive Zweifel. »Christina Schulze Föcking muss sich jetzt langsam für eine Wahrheit entscheiden«, schließt Klosterhalfen.

Hier Petition unterzeichnen

Der Artikel Staatsanwaltschaft handelt falsch wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Mit den Augen von Schwein, Huhn und Kuh

Fr, 28/07/2017 - 22:05
Das Interesse der Schülerinnen und Schüler an Tierschutz und Tierrechten ist groß: Über 60 haben sich für unser Projekt »Ein bisschen vegan – for freaks only« an der Anna-Seghers-Gemeinschaftsschule in Berlin-Adlershof angemeldet. Gemeinsam mit dem VEBU beteiligt sich unser Straßenkampagnen-Team an den Projekttagen vom 10. bis 13. Juli 2017, die unter dem Motto stehen: »Über den Tellerrand schauen«.

Auf dem Programm unseres Projekts stehen Kurzfilme, Kochworkshops, Supermarkt-Recherchen und Diskussionen. Besonderes Highlight sind die Virtual-Reality-Brillen und 360°-Filme des preisgekrönten Video-Projekts iAnimal von Animal Equality. Sie ermöglichen, aus dem Blickwinkel von Tieren das Leben und Sterben in der Massentierhaltung mit anzusehen.

Der erste Projekttag startet in der Früh mit einer Herausforderung für uns: Als Anschauungsmaterial haben wir einen echten Kastenstand mitgebracht. Für eine Sau ist der zwar klein – für uns ist er jedoch zu groß und schwer, um ihn in den zweiten Stock der Schule zu befördern; selbst zerlegt passt er nicht in den Aufzug. Hilfe naht in Gestalt vier muskulöser Schüler der Oberstufe. Sie heben die Metallteile ohne jede Mühe hoch und tragen sie mit einem Grinsen nach oben – ohne abzusetzen.

Vegan ist »voll spannend«

Unsere Kollegin Janika eröffnet mit ihrer Präsentation über Tierethik, Gesundheit und Umwelt: Sie hat selber früher gern Fleisch gegessen sowie Pelz und Leder getragen, berichtet sie; zugleich war sie schon immer tierlieb. Das sind die SchülerInnen offenbar auch. Als Janika eine Folie mit kleinen Ferkeln zeigt, geht ein »Sind die süüüüß!« durch die Reihen. Ein Video über Mitgefühl für Tiere berührt sind die TeilnehmerInnen besonders.

Anschließend ist Zeit zum Reden. Sie fände vegan »voll spannend«, sagt ein Mädchen; nur sei ihre Familie total dagegen! Das kennen wir auch. Es braucht einiges an Willensstärke, sich im eigenen Umfeld durchzusetzen. »Wir liefern euch in den nächsten Tagen viele gute Argumente, über die ihr zuhause diskutieren könnt«, ermutigen wir die SchülerInnen. »Vielleicht unterstützt euch dann die eine oder der andere aus der Familie, wenn deutlich wird, wie wichtig euch das Thema ist.« Jemand fragt uns nach einer guten Seite im Netz, um sich umfassend zu veganer Ernährung zu informieren – für uns eine Steilvorlage: Natürlich die Vegan Taste Week!

Nur mit Erlaubnis

Für einen Teil der Gruppe geht es nun ab in die Schulküche zum veganen Kochen und Backen: Auf dem Programm stehen Nudeln mit »Bolognese-Soße« sowie Cupcakes. Für andere gibt es Kurzfilme mit Diskussion, eine dritte Gruppe schaut im Supermarkt, welche veganen Produkte sie dort findet. Die übrigen dürfen jetzt an die Virtual-Reality-Brillen – sofern es die Eltern erlaubt haben. Die Stimmung ist aufgeregt und gespannt. Die 360°-Technologie erzeugt das Gefühl, sich selbst in einem Betrieb der Tierindustrie zu befinden. Die SchülerInnen können sich in alle Richtungen umsehen und steuern so die Kameraperspektive. Über Kopfhörer hören sie die Originalgeräusche, das verstärkt den Eindruck, mitten unter den Tieren zu sein. Keiner muss jedoch die Filme anschauen. Und die SchülerInnen dürfen die Brillen natürlich jederzeit ablegen.

Ein Mädchen hat keine Erlaubnis dabei, die Filme anzusehen. Am Telefon erklären wir dem Vater, worum es in den Filmen geht und dass auch traurige und schockierende Bilder zu sehen sind. »Meine Tochter darf das selber entscheiden«, sagt der Vater. »Ich finde es sehr wichtig, dass dieses Thema in der Schule behandelt wird.«

Berührende Szenen

Die ersten zwei Mädchen wollen einen Film gleichzeitig ansehen. Für die anderen bietet sich ein interessanter Anblick: Ihre Köpfe bewegen sich oft zeitgleich in die Richtungen, wo gerade etwas passiert. Sie fassen sich an den Händen; manchmal nehmen sie erschrocken die Hand vor den Mund. Eine Schülerin muss nach dem Film erstmal vor die Tür. Auch wenn sie schon viele derartige Videos kennt, erzählt sie später, ist das Erlebnis mit der VR-Brille viel intensiver. Ein anderes Mädchen weint schon während des Films, trotzdem will sie ihn zu Ende sehen. Manche wollen sogar zwei Filme hintereinander anschauen; ein anderer Schüler möchte keinen der Filme sehen. Auch das ist in Ordnung. Später kommt er nochmal auf uns zu: »Ich würde doch gerne gucken!«

»Meinen Großeltern brauche ich das gar nicht zu erzählen. Die verstehen das Null«, sagt ein Junge. Bei den meisten SchülerInnen jedenfalls erzeugt der Perspektivwechsel offenbar viel Mitgefühl und Solidarität.

Zwischen Lebenshof und Massentierhaltung

Am Tag des Hoffests fahren wir mit unserem GrunzMobil auf den Schulhof; dort herrscht bereits wildes Treiben. Auf dem Schulhof sind Graffitis entstanden, darunter ein kleines Küken mit dem Spruch »I am not a nugget«. Eine Bühne samt aufwendiger Tontechnik und viele Stände sind aufgebaut. An denen werden die SchülerInnen ihre Projekte vorstellen. Weil viele jüngere Kinder da sind, zeigen wir an unserem GrunzMobil heute keine Szenen aus der Massentierhaltung, sondern wunderschöne Aufnahmen vom Lebenshof Santuario Igualdad Interespecie. Doch selbst viele kleine Kinder verstehen bereits, warum wir da sind. Ein Grundschüler sagt: »Es ist das Gemeinste, dass so viele Tiere geschlachtet werden!«

An unserem iAnimal-Pavillon ist reger Andrang. Viele SchülerInnen nutzen die Chance, sich die Filme anzusehen. Sichtlich betroffen nimmt ein Junge die Brille ab: »Mir war nicht bewusst, dass das so schlimm ist. Jetzt verstehe ich die Motivation, vegan zu leben.« Auch einige Eltern und LehrerInnen sehen sich die Filme mit den VR-Brillen an. Sie berichten, dass die SchülerInnen von unserem Projekt viel erzählt haben.

Viel Grund zur Freude

Besonders freuen wir uns darüber, dass mehrere SchülerInnen den Entschluss gefasst haben, sich fortan vegan oder vegetarisch zu ernähren. Spätestens dann, wenn sie von zuhause ausgezogen sind. Auch erfreulich: Unsere Berliner Aktionsgruppe hat in den Projekttagen an der Schule Zuwachs bekommen.

Eine Schülerin kommt aufgebracht zu uns. Ein Foodtruck mit Burgern hat sich direkt neben unser GrunzMobil gestellt. »Das ist ja wohl wirklich unpassend, dass die ausgerechnet neben euch stehen müssen«, schimpft sie. Wir verstehen erst nicht, erklären dann aber: »Doch! Das sind nämlich vegane Burger.« Die kommen offenbar bei vielen gut an. Die 100 Burger sind schon am frühen Nachmittag ausverkauft; auch die 100 veganen Currywürste sind schnell vergeben. Die Schulleiterin hat Glück. Sie bekommt die letzte. Bei ihr bedanken wir uns noch einmal persönlich, dass wir an ihrer Schule eingeladen wurden und mit den SchülerInnen gemeinsam diskutieren durften. »Na für uns war das doch auch toll«, sagt sie. »Kommen Sie gerne wieder!« Mit ihrer Erlaubnis dürfen wir heute eine Drohne steigen lassen, um Aufnahmen zu machen – aus der Vogelperspektive.

Der Artikel Mit den Augen von Schwein, Huhn und Kuh wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

UBA: Umweltschäden durch die Landwirtschaft

Fr, 28/07/2017 - 18:46

In seiner gerade erschienenen Jahrespublikation »Schwerpunkte 2017« beschäftigt sich das Umweltbundesamt (UBA) intensiv mit Umweltproblemen, die von der Landwirtschaft verursacht werden. Dabei erklärt die Behörde, wie sich Gülle, Mist, Pflanzenschutzmittel und Hormone auswirken – und dass ein Umsteuern dringend erforderlich ist.

Anhaltende Nitratverunreinigungen im Grundwasser

Das UBA zeigt zunächst auf, weshalb die wachsende Güllemenge auf deutschen Feldern bedenklich ist. Dabei spielen vor allem die darin enthaltenen Stickstoffverbindungen – insbesondere Nitrat und Ammoniak – eine Rolle.

Nitrat, das unter bestimmten Bedingungen in krebserregendes Nitrit umgewandelt wird, landet über die Felder auch im Grundwasser: Ein Viertel des Grundwassers in Deutschland überschreitet den Grenzwert für Nitrat bereits. Diese anhaltenden Nitratverunreinigungen führten 2015 sogar zu einer Klage der EU-Kommission gegen Deutschland. Die daraufhin überarbeitete deutsche Düngegesetzgebung enthält laut UBA zwar gute Ansätze – »doch der Weg zu einem umweltverträglichen Umgang mit den Nährstoffen in der Landwirtschaft ist noch weit.« Das UBA fordert deshalb eine wirksamere Gesetzgebung. Eine weitere Möglichkeit sei auch, den Tierbestand zu verringern. Sollte nichts unternommen werden, müsse letztlich die Gesellschaft für die Kosten der Umweltschäden aufkommen, etwa wenn es um die aufwendige Entfernung des Nitrats aus dem Wasser geht. Dem UBA zufolge könnte das Trinkwasser dann in bestimmten Regionen um ein Drittel bis fast die Hälfte teurer werden.

Ammoniak-Emissionen steigen und steigen

Ammoniak wird von der Landwirtschaft ebenfalls in großer Menge freigesetzt. Es schädigt nicht nur Pflanzen, sondern führt auch zu Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen beim Menschen. Außerdem fördert es die Erderwärmung und damit den Klimawandel. Dem UBA zufolge ist die Landwirtschaft in Deutschland für etwa 95 % des Ammoniaks in der Luft verantwortlich – der größte Anteil stammt aus der Rinderhaltung.

Deutschland hat sich in einer EU-Richtlinie zwar dazu verpflichtet, die Ammoniak-Emissionen bis 2030 um 29 Prozent unter den Wert von 2005 zu senken Derzeit ist aber nicht mal ein Ende des Emissionsanstiegs in Sicht: Wurden 2005 noch 678.130 Tonnen Ammoniak freigesetzt, waren es 2015 schon 759.000 Tonnen.

Hormone: ein unvertretbares Risiko

Weiterhin äußert sich das UBA in seinem Bericht äußerst kritisch zu dem Einsatz von Hormonpräparaten in der Tierhaltung. Als Beispiel führt es das Mittel Altrenogest an. Landwirte verabreichen ihren »Zuchtsauen« dieses Präparat, um deren Sexualzyklen zu synchronisieren und so die Betriebsabläufe besser planen zu können. Durch die Ausscheidungen der Tiere gelangen Spuren des Präparats auch in unsere Gewässer. Wie Untersuchungen des UBA zeigen, verringern bereits geringste Konzentrationen die Fruchtbarkeit von Fischen. Jungfische hatten außerdem deutlich geringere Überlebenschancen. Das UBA spricht aus diesen Gründen bei dem Präparat Altrenogest von einem »unvertretbaren Risiko für die Umwelt«. Dennoch zieht die EU-Kommission die Zulassung nicht zurück. Die Begründung: Es gebe keine wirtschaftliche Alternative.

Pflanzenschutzmittel gefährden Artenvielfalt

Auf den Feldern wirkt sich nicht nur die verteilte Gülle negativ aus – auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hat bedenkliche Folgen. Das Hauptproblem dabei ist, dass die Mittel neben sogenannten Schädlingen auch Nützlinge töten – etwa Bienen oder Käfer. Pflanzenschutzmittel tragen somit zum Artensterben bei. Eine 2013 umgesetzte Richtlinie, die dem entgegensteuern sollte, hatte nach Angaben des UBA nur mäßigen Erfolg: »2014 wurden von den Bauern genauso viele chemische Wirkstoffe ausgebracht wie 2008. Dem UBA zufolge ist dabei gerade ein Verzicht auf Pflanzenschutzmittel die wirksamste Methode, um Risiken für die Umwelt zu umgehen. Unsere Anmerkung: Weniger Tierprodukte zu produzieren, reduziert auch den Bedarf an Futter (man benötigt weit weniger Pflanzen, wenn man sie direkt isst statt über den Umweg der Fleischproduktion). Deshalb würde sich auch hier eine Fleischreduktion positiv auswirken.

Ökologischer Landbau: Die Lösung?

Im Jahr 2002 hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt, bis 2010 den Anteil der biologisch bewirtschafteten Agrarfläche bis 2010 auf 20 % zu steigern. Dies hätte sich positiv auf die Umwelt ausgewirkt, da der Ökolandbau auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel verzichtet. Das Ziel wurde jedoch verfehlt: 2015 lag der entsprechende Anteil der landwirtschaftlich genutzten Fläche gerade einmal bei 6,3 %. Wenn man bedenkt, dass Deutschland der größte Markt für ökologisch produzierte Lebensmittel in Europa ist, kann man sich über diesen geringen Anteil nur wundern. Die Nachfrage ist dem UBA zufolge sogar so groß, dass die inländische Produktion nicht ausreicht. Zuletzt stammten beispielsweise 24 % des Bio-Getreides und 37 % der Bio-Milch aus dem Ausland. Dies läuft einem großen Vorteil des Ökolandbaus zuwider, der eigentlich regional wirtschaften will.

Das UBA weist in diesem Zusammenhang auf ein entscheidendes Problem hin: »Solange (…) die Marktpreise für landwirtschaftliche Erzeugnisse nicht der ökologischen Wahrheit entsprechen, haben ökologisch erzeugte Lebensmittel einen klaren Wettbewerbsnachteil.« Für einen fairen Wettbewerb müssten Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion selbst für die von ihnen verursachten Umweltkosten aufkommen, statt sie auf die Gesellschaft abzuwälzen. Ökologisch wirtschaftende Bauern sollten im Gegenzug für »positive Umweltleistungen« honoriert werden.

Fazit: Gesellschaft und Politik müssen umdenken

Das Umweltbundesamt macht mit seiner Jahrespublikation deutlich, dass die heutige konventionelle Landwirtschaft eine ernstzunehmende Belastung für die Umwelt darstellt. Ob Boden, Gewässer, Luft, Tiere oder menschliche Gesundheit – auf all diese Bereiche wirkt sie sich negativ aus. Das UBA weist jedoch auch darauf hin, dass im Grunde nicht die Landwirtschaft als solche die Verantwortung für diese Missstände trägt, sondern die Gesellschaft als Ganzes – schließlich entstehen die meisten Umweltschäden im legalen Rahmen. Dementsprechend müssen zunächst Politik und Gesellschaft umdenken, wenn die Landwirtschaft eine Trendwende vollziehen soll: »Unter welchen Rahmenbedingungen Landwirtschaft erfolgt, das gibt die Gesellschaft vor. (…) Jede Kritik an der Landwirtschaft ist daher letztlich Kritik an den politischen Entscheidungsträgern und uns allen.«

Der Artikel UBA: Umweltschäden durch die Landwirtschaft wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Vegane Kinderernährung und Beikost

Do, 27/07/2017 - 09:43
© Lana K – Shutterstock

Nach einer veganen Ernährung der Mutter während Schwangerschaft und Stillzeit stellt sich für viele vegane Eltern die Frage, wie sie eine rein pflanzliche Bei- und Familienkost umsetzen. Eine vegane Kinderernährung sehen viele Familien durchaus berechtigt als Herausforderung an. Mit einem fundierten Hintergrundwissen und Lust an gesunder Ernährung ist es jedoch möglich, auch Säuglinge und Kleinkinder ausgewogen vegan zu ernähren. Der folgende Artikel gibt eine Einführung, was dabei zu beachten ist.

Die Haltung der Ernährungsorganisationen

Namhafte Ernährungsorganisationen wie z. B. die amerikanische Academy of Nutrition and Dietetics (A.N.D.), der weltweit größte Zusammenschluss von Ernährungsfachleuten, weisen darauf hin, dass eine gut geplante rein pflanzliche Ernährung auch für besondere Lebenssituationen wie z. B. Schwangerschaft, Stillzeit und Kindheit geeignet ist. Dieser Position schließen sich die australische und die kanadische Ernährungsorganisation an. Auch die staatliche britische Gesundheitsversorgung, der National Health Service, informiert Eltern ohne Vorbehalte über eine vegane Kinderernährung.

In ihrer Stellungnahme zu veganer Ernährung empfiehlt hingegen die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) die vegane Kinderernährung sicherheitshalber nicht, »da sich mit dem Verzicht auf jegliche tierische Lebensmittel das Risiko für Nährstoffdefizite und damit das Risiko für Gesundheitsstörungen erhöht«. Wer sich dennoch für eine vegane Kinderernährung entscheidet, soll laut DGE unbedingt vier Punkte beachten: Vitamin-B12-Nahrungsergänzung, regelmäßige ärztliche (Blut-)Kontrollen, eine nährstoffreiche Ernährung und fachgerechte Beratung.

Die Haltung der DGE gegenüber einer veganen Ernährung hat sich damit inzwischen gewandelt: Das Institut für alternative und nachhaltige Ernährung (IFANE) kommentiert die derzeitige »Nicht-Empfehlung« der DGE als »etwas anderes, als davon abzuraten oder gar davor zu warnen – wie es in der Vergangenheit geschehen ist.« Prof. Claus Leitzmann, Mentor des IFANE und Koryphäe der vegetarischen Vollwerternährung, weist in einem Kommentar zur DGE-Position auf das Interesse von VeganerInnen an gesunder Ernährung hin: »Die DGE ist sehr vorsichtig in ihren Empfehlungen (…). Aber die Wirklichkeit zeigt, dass die Veganer gut informiert sind, und gerade wenn sie ihre Kinder auch vegan ernähren, das in der Regel auch richtig machen.«

Begrenzte Studienlage

Leider gibt es insgesamt erst wenige wissenschaftliche Untersuchungen zu vegetarisch, geschweige denn vegan ernährten Kindern. Eine uneinheitliche Studienlage erschwert – ähnlich wie bei veganen Schwangeren – grundsätzliche Aussagen. Außerdem ist zu beachten, dass ein Großteil der Studien – gerade zu veganen Kindern – aus den 1970ern bis 1990ern stammen. Heute sind deutlich mehr Informationen zur veganen Ernährung über Bücher und Medien sowie vegane Produkte und Nahrungsergänzungsmittel verfügbar.

Ein deutsches Projekt sucht deshalb bis Ende 2017 noch TeilnehmerInnen: Die VeChi-Studie (Vegetarian and Vegan Children Study) des IFANE, der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) und der DONALD-Studie läuft seit Oktober 2016 und vergleicht die Nährstoff- und Energiezufuhr veganer, vegetarischer und mischköstlich ernährter Kleinkinder im Alter von 1-3 Jahren.

Ausgewählte Befunde überwiegend vegetarisch ernährter Kinder
  • Das Wachstum vegetarischer Kinder ist meistens vergleichbar mit dem von mischköstlich ernährten Kindern. Tendenziell waren vegetarisch und vegan ernährte Kinder etwas leichter und kleiner, was allerdings nicht unbedingt negativ bewertet werden muss (siehe hierzu die ausführliche Studienübersicht von Keller und Müller).
  • Ein günstiges Ernährungsmuster zeigte sich für britische überwiegend vegetarisch lebende Vorschulkinder bei der Menge und Qualität von Fetten, bei Cholesterin sowie der Zufuhr von Kohlenhydraten, Protein und Natrium. Die Versorgung mit den Vitaminen A und E war bei den vegetarisch lebenden Kindern teilweise besser. Die Spiegel für Zink, Eisen, Vitamin B12 und Vitamin D im Blut waren vergleichbar mit denen von mischköstlich ernährten Kindern. Die Eisenspeicherwerte waren allerdings bei vegetarischen Kindern niedriger. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass eine gesunde vegetarische Ernährung von Kindern möglich ist.
  • Eine Untersuchung mit Kindern zwischen 2 und 18 Jahren verzeichnete ebenfalls geringere Eisenspeicherwerte für VegetarierInnen und ein häufigeres Auftreten von Eisenmangel. Wir raten deshalb, die Eisenversorgung sicherheitshalber bei vegan-vegetarischer Kinderernährung über regelmäßige Blutuntersuchungen (Hämoglobin- und Ferritinwert) zu beobachten.
  • Eine weitere Studie fand angemessene Blutwerte bei vegetarischen Kindern (2 bis 10 Jahre) bezüglich Homocystein, Folat und Vitamin B12. Die fünf untersuchten veganen Kinder waren nicht ausreichend mit Vitamin B12 versorgt. Auch wenn die Zahl der untersuchten veganen Kinder sehr gering ist, gebührt dem Thema Vitamin B12 wie bei Erwachsenen höchste Aufmerksamkeit.
  • Vegetarische britische Kinder (7 bis 11 Jahre) erreichten häufiger die Zufuhrempfehlungen für Vitamine und Mineralstoffe. Die Eisenversorgung im Blut (Hämoglobin) war zwar geringer als die von mischköstlich ernährten Kindern, aber im Normbereich. Neben Eisen fiel Zink als kritischer Nährstoff auf.
  • Weitere Ergebnisse polnischer Kinder (5 bis 11 Jahre) zeigten Blutkonzentrationen im Normbereich bei verschiedenen Nährstoffen (inklusive Eisen) bei vegetarischer Kost, allerdings zu wenig Vitamin D.
Vegan ernährte Kinder

Studien mit rein vegan ernährten Kindern liegen nur aus zwei Projekten aus Großbritannien und den USA aus den 1970er und 1980er Jahren vor. Eine ausführliche Studienübersicht fasst die Befunde zusammen: Die Nährstoffzufuhr veganer Kinder entsprach meist den Empfehlungen. Bei der Energie- und Kalziumzufuhr sowie der Aufnahme von Vitamin D, B2 und B12 erreichten die Kinder die Referenzwerte teilweise nicht. Vegane Kinder nahmen mehr Ballaststoffe und mehrfach ungesättigte Fettsäuren sowie weniger gesättigte Fettsäuren zu sich. Es zeigte sich eine altersgerechte Entwicklung.

Erstes Lebensjahr: Von Anfang an pflanzlich

Vom ersten Stillen bzw. der ersten Flasche bis hin zur ersten Mahlzeit am Familientisch vergeht eine intensive Phase, in der Kinder schrittweise und behutsam an feste Nahrung herangeführt werden. Dies nennt man Beikostalter. Gewisse Grundsätze sind sowohl bei mischköstlicher als auch bei veganer Beikost zu beachten.

Die ersten Lebensmonate

In den ersten Lebensmonaten ist Muttermilch die beste Nahrung für das Kind. Wer eine vegane Kinderernährung plant, aber nicht stillen kann oder möchte, sollte sich intensiv mit den verfügbaren Säuglingsmilchnahrungen auseinandersetzen. Soja- und andere pflanzliche Drinks aus dem Supermarkt sind keine adäquate Säuglingsnahrung, ebenso wie übliche Kuhmilch. Säuglingsmilchnahrung ist speziell abgestimmt und mit Zusätzen angereichert. Eine wichtige Grundlage für einen gesunden Stillprozess und hochwertige Muttermilch ist außerdem die gesunde Ernährung der Mutter während der Stillzeit. So enthält die Milch ausreichend Nährstoffe.

Ob sojabasierte Säuglingsmilchnahrung als vegane Alternative zu handelsüblichem Pulver auf Kuhmilchbasis ab der Geburt angemessen ist, wird in Deutschland oft kontrovers diskutiert. Eine Studie der American Academy of Pediatrics und eine weitere internationale Untersuchung kamen hingegen zu dem Ergebnis, dass auch Soja-Säuglingsmilchnahrungen sicher und geeignet sind. In Deutschland sind nur sehr wenige solcher Produkte erhältlich (z. B. dieses nahezu vegane Pulver*, das jedoch leider tierliches Vitamin D3, keine optimale Nährstoffzusammensetzung und recht viel Zucker enthält). Aus Frankreich gibt es sojafreie Produkte auf Mandel- und Reisbasis ab dem ersten Lebenstag (1). Eltern können zum Beispiel dieses Reisprodukt* verwenden, sollten jedoch – ebenso beim Sojaprodukt – pflanzliche Docosahexaensäure (DHA) ergänzen. Die Entscheidung oder Tatsache, ob und wie Eltern Alternativen zu Muttermilch geben (müssen), sollten sie individuell, informiert und mit ärztlichem Rat angehen. Mehr zum Thema vegane Säuglingsmilchnahrung gibt es in diesem Artikel.

Mit der Beikost starten

Wenn die Eltern dazu bereit sind, das Kind gesund ist sowie seinen Kopf halten kann und am besten viel Zeit und Ruhe vorhanden sind, können Eltern mit der Einführung der Beikost beginnen (2). Dieser Start kann frühestens ab dem fünften, spätestens zum Anfang des siebten Monats ganz individuell erfolgen. Die Nationale Stillkommission empfiehlt Müttern in Deutschland, vier bis sechs Monate voll zu stillen und auch danach weiterzustillen. Ab dem siebten Monat reicht die Versorgung allein über die Muttermilch nicht mehr aus. Zu Beginn ergänzt die Beikost die Muttermilch bzw. die Alternative, später wird immer weniger Milch und mehr Brei verzehrt.

Bei veganer Kost sollten möglichst noch zwei Muttermilch-Mahlzeiten bis zum Ende des ersten Lebensjahres gegeben werden. Dies gilt auch für Alternativen. Bis zu diesem Zeitpunkt werden auch drei bis dreieinhalb Breimahlzeiten eingeführt. Vier Monate sollten mindestens ausschließlich gestillt werden. In der veganen Kinderernährung kann Muttermilch auch weit über das erste Lebensjahr viele Vorteile mitbringen. Das Ende der Stillzeit bestimmen Mutter und Kind ganz individuell (1).

Babybrei: Aller guten Dinge sind drei

Eine schrittweise Einführung der Beikost ist wichtig, um dem Kind sowohl psychisch als auch körperlich genug Zeit zur Umstellung zu geben. Das überwiegende Selbstkochen der Breie ist für die vegane Kinderernährung Pflicht: Die Zutaten sollten vollwertig, frisch und nährstoffreich sein (2). Offizielle Empfehlungen zum Beikostbeginn werden in Deutschland vom Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) im »Ernährungsplan für das 1. Lebensjahr« vorgegeben. An diesem orientieren sich auch die drei folgenden Breie für das erste Lebensjahr, allerdings in einer rein pflanzlichen Version (1):

  1. Gemüse-Kartoffel-Getreide-Brei: Zuerst wird der Brei nur mit Gemüsemus (z. B. Karotten) und Raps- oder mit DHA angereichertem Leinöl hergestellt und zwischen zwei Milchmahlzeiten gegeben. Hat sich das Kind an die erste Beikost gewöhnt, kann man langsam Kartoffeln und etwas später Getreide oder Hülsenfrüchte hinzufügen. Dann lassen sich auch die Gemüsesorten variieren und Hafer- durch Hirseflocken oder Linsen ersetzen. Diesen Brei sollten Eltern mittags anbieten und bis zur Einführung des nächsten Breis mindestens einen Monat warten.
  2. Obst-Getreide-Brei: Vormittags oder nachmittags wird nach einer gewissen Gewöhnungszeit zusätzlich zum Gemüse-Kartoffel-Getreide-Brei ein Brei aus Obst und Getreide mit Raps- bzw. mit DHA angereichertem Leinöl oder Mandelmus als Zwischenmahlzeit gegeben. Dies kann ohne schrittweise Ergänzung der Zutaten erfolgen, da das Kind nun an Brei gewöhnt ist.
  3. Getreide-Brei: Im letzten Schritt erhält das Kind zusätzlich zu den beiden Breien morgens oder abends einen Brei aus sojabasierter Säuglingsmilchnahrung mit Dinkelgrieß. Alternativ eignet sich ein mit Kalzium angereicherter Haferdrink mit Dinkelgrieß und etwas Mandelmus, wenn noch drei ausreichend große Mahlzeiten Muttermilch gegeben werden.

Das Tempo, wann Kinder eine gesamte Mahlzeitportion schaffen und auch wann ein neuer Brei eingeführt wird, ist individuell verschieden. Weitere Tipps zur praktischen Umsetzung des Beikostbeginns sowie konkrete Rezeptideen gibt es im Buch »Vegane Ernährung – Schwangerschaft, Stillzeit und Beikost«.

Exkurs: Baby-Led-Weaning

Baby-Led-Weaning ist das selbstständige Greifen und Verzehren von stückigen Lebensmitteln vom Familientisch durch den Säugling. Dazu gibt es noch keine Studien, die eine Überlegenheit gegenüber den klassischen Breien belegen. Mit einem Alter von etwa zehn bis zwölf Monaten ist allerdings auch bei der Beikost der schrittweise und spielerische Übergang zur Familienkost angesagt.

Kleinkinder: Vegane Ernährung am Familientisch

Je nach individuellem Fortschreiten gehen die Breie mehr und mehr in Familienkost über. Natürlich schließt ein Beikoststart mit Breien nicht aus, dass das Kind auch schon vorher ab und zu Lebensmittel vom Familientisch ausprobiert, z. B. Obststücke oder Brot. Für den Einstieg in die Familienkost eignen sich z. B. zerdrücktes Obst und Gemüse oder auch Reis, Kartoffeln und Nudeln. Außerdem können Eltern kleine Portionen normaler Gerichte vor dem Salzen beiseite nehmen und dem Kind zum Probieren geben.

Bananen, Dinkelgebäck und Vollkornzwieback eignen sich ideal als Zwischenmahlzeiten, die nun vormittags und nachmittags eingeführt werden. Morgens und/oder abends bevorzugen einige Kinder häufig noch eine Brei- und/oder Stillmahlzeit. Diese kann z. B. mit Zwieback oder Brot zum Knabbern ergänzt werden, während die Eltern selbst essen.

Grundlagen der veganen Kinderernährung

Wenn die Mahlzeiten schließlich komplett in die Familienkost übergehen, gleicht sich die Ernährung von Kindern und Erwachsenen immer mehr an. Wer eine vegane Kinderernährung über die gesamte Kindheit plant, sollte sich nach Dr. Markus Keller von der FHM fundiertes Ernährungswissen aneignen sowie auf folgende Punkte achten (2):

  • Abwechslungsreiche und vollwertige Lebensmittel
  • Ausreichende Zufuhr an Nahrungsenergie
  • Höhere Proteinzufuhr als bei mischköstlich ernährten Kinder (wegen der geringeren biologischen Wertigkeit des pflanzlichen Proteins)
  • Sichere Versorgung mit den besonders bei veganer Ernährung kritischen Nährstoffen Kalzium, Eisen, Zink, Jod, Vitamin B2, Vitamin D, langkettigen Omega-3-Fettsäuren (DHA) sowie Vitamin B12 (siehe nächster Abschnitt)
Nährstoffe: Kritisches in der veganen Bei- und Familienkost
  • Vitamin D ist am besten über Nahrungsergänzungsmittel aufzunehmen, da die Produktion über die Haut hierzulande nur in den Sommermonaten (März-Oktober) funktioniert. Unabhängig von der Ernährungsweise empfehlen Fachleute für Kindergesundheit in Deutschland, Säuglingen 400-500 I. E. Vitamin D pro Tag ab der zweiten Lebenswoche als Nahrungsergänzungsmittel zu verabreichen. Die von den Krankenkassen in diesem Fall bezahlten Vitamin-D3-Präparate sind allerdings meist nicht vegan. Da Vitamin D3 im Gegensatz zum pflanzlichen D2 vermutlich besser vom Körper verwertet werden kann, ist für VeganerInnen Vitamin D3 aus Flechten* geeignet.
  • Jod wird unabhängig von der Ernährungsweise zu wenig aufgenommen: Über ein Viertel der deutschen Bevölkerung gilt als unterversorgt. In der Beikost wird generell auf Salz und damit auch auf Jodsalz verzichtet. Da bei veganen Gerichten außerdem Milch und Fisch wegfallen, sollten Mütter in der Stillzeit Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. So ist die Muttermilch ausreichend mit Jod angereichert. Alternativ können von den Müttern entsprechende Mengen Nori-Algen verzehrt werden (Packungsangabe zum Jodgehalt beachten). Auch im Getreidebrei eignen sich Nori-Algen. Die Zubereitung mit einer sojabasierten Säuglingsmilchnahrung mit Jod ist eine weitere Möglichkeit (1).
  • Omega-3-Fettsäuren nehmen Säuglinge über das den Breien hinzugefügte Raps- oder Leinöl auf. Allerdings ist die körpereigene Umwandlungsrate in Docosahexaensäure (DHA) begrenzt. Eltern sollten Kindern diese wichtige Omega-3-Fettsäure direkt über Mikroalgen, z. B. aus mit DHA angereichertem Öl* oder Nahrungsergänzungsmitteln, verabreichen.
  • Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln wird nicht so gut wie aus Tierprodukten aufgenommen. Hier helfen eisenreiche Grundzutaten (z. B. Hirse, Kürbiskerne, Haferflocken), Einweichen (eventuell auch Garen) und der Verzehr zusammen mit Vitamin-C-haltigen Lebensmitteln (z. B. Orangensaft) (1).
  • Kalzium wird ebenfalls durch Einweichen oder Garen besser aufgenommen. Beispielsweise sind Mandelmus, Kichererbsen, Fenchel und kalziumreiches Mineralwasser geeignete pflanzliche Kalziumquellen (1).
  • Einweichen, Garen oder der Verzehr mit Säurehaltigem hilft außerdem bei der Aufnahme von Zink aus Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten. Beispiele sind Hafer, Amaranth, Linsen und Cashewkerne (1).
Lebenswichtiges Vitamin B12

Vitamin B12 kommt praktisch nicht in tierlichen Lebensmitteln vor und muss von Mutter und Kind über Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden. Der Säugling hat nur begrenzte Reserven nach der Geburt. Während des Stillens klappt die Versorgung zum Beispiel gut mit Tropfen*, die auf die Brustwarze geträufelt und dann vom Kind aufgenommen werden (2). Später bieten sich Tabletten zum Kauen oder Auflösen an.

Mehrzufuhr an Protein

Protein ist im Wachstum besonders wichtig. Hier bietet sich eine Kombination verschiedener pflanzlicher Proteinquellen wie Sojaprodukte und Hülsenfrüchte in einer Mahlzeit oder über den Tag verteilt an. Dies kann z. B. über Kartoffeln mit Linsen wie im Gemüse-Kartoffel-Brei geschehen. Daraus entsteht eine teilweise gleich hohe oder sogar höhere biologische Wertigkeit als für tierliches Protein (1).

  • Keller empfiehlt, veganen Ein- bis Zweijährigen etwa ein Drittel mehr Proteine als in den generellen Empfehlungen zu geben, z. B. durch besonders proteinreiche Mahlzeiten. Dies hängt vor allem mit der etwas geringeren Wertigkeit und Verdaulichkeit pflanzlichen Proteins im Vergleich zu tierlichem zusammen.
  • Vegane Zwei- bis Sechsjährige sollten etwa ein Viertel mehr erhalten.
  • Im Schulalter ist die Zufuhrempfehlung für Protein bei veganen Kindern um etwa 15 bis 20 Prozent gegenüber den allgemeinen Empfehlungen erhöht. Ansonsten nähert sich der allgemeine Nährstoffbedarf langsam dem von Erwachsenen an.
Gesunde Ernährung als Vorsorge

In solch wichtigen Wachstumsphasen wie der Kindheit sollten Eltern ihre Kinder mit möglichst nährstoffreichen, gesunden Lebensmitteln unterstützen. Hierzu bieten sich weniger stark verarbeitete, selbst zubereitete Lebensmittel nach den Grundsätzen der Vollwertkost an.

Wer obige Nährstoffempfehlungen beachtet und auf eine vollwertige Kost setzt, kann aus der komplett oder überwiegend pflanzlichen Ernährung großen Nutzen ziehen. Gerade im Jugend- und auch später im Erwachsenenalter hat eine ausgewogene vegane Ernährung viele Vorzüge. Jugendliche mit überwiegend pflanzlicher Ernährung haben im Vergleich zu Gleichaltrigen mit mischköstlicher Ernährung in Studien einen niedrigeren Body Mass Index (BMI) und niedrigere Cholesterinwerte. Dies ist u. a. für die Herzgesundheit und das spätere Erkrankungsrisiko (z. B. für Herz-Kreislauf-Erkrankungen) ein großer Vorteil. Bei vollwertiger, überwiegend pflanzlicher Ernährung zeigen Analysen außerdem ein um etwa 20 bis 25 Prozent geringeres Risiko für Herzkrankheiten und Diabetes bei Erwachsenen. Mehr zu den generellen Gesundheitsvorteilen veganer Ernährung gibt es im Artikel »Vegan gesund«.

Praxistipps und Weiterführendes Regelmäßige Blutuntersuchungen

Um Defizite bei kritischen Nährstoffen aufzudecken, sind mindestens jährliche Bluttests bei veganen Kindern und Erwachsenen empfehlenswert. Neben dem kleinen Blutbild können in der Kinderarztpraxis zusätzliche Blutwerte wie Vitamin B12 und Vitamin D untersucht werden. Weitere Informationen zu einzelnen Blutwerten gibt es im Artikel »Vegan gesund« sowie in unserem Infoblatt zu Vitamin B12. Durchführung und Ergebnisse dieser Tests sollten Eltern immer mit der Ärztin bzw. dem Arzt besprechen.

Qualifizierte Beratung

Neben allen Informationen aus Büchern und dem Internet ist (nicht nur) für vegane Familien eine persönliche Ernährungsberatung sinnvoll. Qualifizierte ErnährungsberaterInnen, Ärztinnen und Ärzte sowie Stillberaterinnen findet man häufig über eine Internetsuche, Empfehlungen in Foren oder Facebook-Gruppen (z. B. bei »Vegane Eltern«). Expertinnen und Experten, die sich auf die vegane Ernährung spezialisiert haben, sind hier von Vorteil. Beispielsweise bildet der Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung e. V. (UGB) zahlreiche Fachkräfte als FachberaterInnen für Vegane Ernährung aus. Manche BeraterInnen bieten ihre Leistungen auch ortsungebunden über Telefon, Skype und E-Mail an, z. B. Carmen Hercegfi von »Vegane Familien«.

Tipps zum Selbststudium Bücher
  • Für die vegane Beikostplanung inklusive zahlreicher Rezepte ist »Vegane Ernährung – Schwangerschaft, Stillzeit und Beikost« von Dr. Markus Keller und Edith Gätjen als fundiertes Standardwerk empfehlenswert. Hierin sind auch Rezepte enthalten.
  • Mehr Rezepttipps für die vegan-vegetarische Familie gibt dasselbe Autorenteam in »Das genial vegetarische Familienkochbuch«.
  • Helene Holunder hat zahlreiche Rezepte in »Meine Familie isst vegan« gesammelt.
  • Das Buch »Vegane Eltern – junges Gemüse« von Corinne Matzka und Jonas Engelmann ist ein hilfreicher Praxisratgeber für den veganen Familienalltag. Es enthält auch detaillierte Informationen zu Nährstoffen und Ernährung in Schwangerschaft, Stillzeit und Kindheit.
  • Zusätzlich zu Nährstoffen und Speiseplänen ist unabhängig von der Ernährungsweise auch das Erlernen von Essen ein Thema. Dies zeigt das Buch »Lotta lernt essen« von Edith Gätjen anschaulich.
Websites
  • Wer die täglich verzehrten Nährstoffe für einen Überblick selbst berechnen möchte, findet einen ausführlichen Rechner auf der Website Cronometer.
  • Der Blog TofuFamily informiert rund ums Thema vegane Familie.
Seminar
  • Das UGB-Seminar »Vegan von Anfang an« von Edith Gätjen und Mariana Eberhard ist besonders empfehlenswert. Es dauert drei Tage und findet mehrmals im Jahr am Edersee nahe Kassel statt.
Vegane Kinderernährung: Pflanzlich ist möglich!

Dieser Artikel ersetzt keinen ärztlichen Rat oder eine Ernährungsberatung. Vielmehr soll vermittelt werden, dass eine gesunde vegane Kinderernährung möglich ist. Wer ein grundlegendes Interesse an gesunder Ernährung mitbringt, sich gerne Wissen aneignet und natürlich das Wohlergehen des Kindes als oberste Priorität ansieht, kann eine vegane Familienernährung – besonders zuhause – gut geplant angehen.

Anne Bohl

Quellen, sofern nicht im Text verlinkt

(1) Keller, M. & Gätjen, E. (2017). Vegane Ernährung – Schwangerschaft, Stillzeit und Beikost. Verlag Eugen Ulmer: Stuttgart.

(2) Keller, M. & Gätjen, E. (2015ff). Seminar Vegan von Anfang an. Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung e. V. (UGB), Edertal.

(3) Leitzmann, C. & Keller, M. (2013). Vegetarische Ernährung (3. Aufl.). Verlag Eugen Ulmer: Stuttgart.

*Bei diesen Empfehlungen handelt es sich nicht um Werbung oder gesponserte Links, sondern lediglich um Hinweise auf leicht verfügbare, geeignete pflanzliche Produkte.

Der Artikel Vegane Kinderernährung und Beikost wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Gutachten: Ministerin hat sich strafbar gemacht

Fr, 21/07/2017 - 10:30

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© tierretter.de

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt hat die Bilder aus dem Schweinestall von NRW-Landwirtschaftsministerin Schulze Föcking vom Tierpathologen Prof. Dr. Ueberschär begutachten lassen. Das Gutachten dokumentiert außergewöhnlich schwere Krankheitsverläufe: Zahlreiche Tiere zeigen Verletzungen sowie schwerste Entzündungen, die über Wochen – vielleicht sogar einen Monat – nicht richtig behandelt wurden. Die Verstöße bei der Haltung der Mastschweine sind demnach so erheblich, dass sie als relevante Vergehen gegen das Tierschutzgesetz einzustufen sind. Wegen der Vielzahl und Schwere der aufgezeigten Vergehen handelt es sich aus Sicht der Stiftung eindeutig um eine Straftat im Sinne des Tierschutzgesetzes (§ 17).

Zuvor hatte die Stiftung bereits Strafanzeige gegen die Ministerin gestellt. »Im Fernsehen wurde nur ein Teil der Bilder gezeigt. Das schockierendste Material wurde nicht ausgestrahlt«, sagt Mahi Klosterhalfen, Geschäftsführer der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt. »Aufgrund der Schwere der Verstöße gehen wir davon aus, dass die Staatsanwaltschaft ermitteln und den Fall Schulze Föcking vor Gericht bringen wird. Das Gutachten lassen wir jetzt der Staatsanwaltschaft zukommen.«

Vernachlässigt und völlig unzureichend versorgt

Das Gutachten zeichnet ein Bild einer gänzlich unzureichenden Versorgung sowie einer längerfristigen Vernachlässigung der Tiere. So konnten sich schwerste und lebensbedrohliche Infektionen bei den Tieren entwickeln. Zudem waren sie höchstwahrscheinlich langfristig einer hohen und gesundheitsschädigenden Luftbelastung mit Ammoniak und anderen Gasen ausgesetzt, die besonders die Atmungsorgane angreifen. Die Gesundheitsschäden haben bei mehreren Tieren zu schwerstem Leiden mit andauernden starken Schmerzen geführt.

Laut Gutachten besteht der Verdacht, dass die Verantwortlichen die erkrankten und verletzten Tiere letztlich in Sonderbuchten gesammelt haben, um sie ohne nennenswerte medizinische Maßnahmen ihrem Schicksal zu überlassen; möglicherweise um Kosten für eine fachgerechte Tötung zu sparen. Statt einzeln in Krankenbuchten betreut zu werden, waren die verletzten Schweine dort immer wieder Biss-Attacken ihrer Artgenossen ausgesetzt.

Prof. Dr. Ueberschär ist seit über 40 Jahren bei der Beurteilung von Krankheitszuständen mit Tierhygiene, Bestandsbetreuung und Betriebsmanagement befasst; mit Schwerpunkt u. a. auf Schweinen. Aktuell leitet er eine Praxis für Tierpathologie. Anhand des Bildmaterials war ihm eine fachliche Bewertung uneingeschränkt möglich.

Der Artikel Gutachten: Ministerin hat sich strafbar gemacht wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Erfolg: Top 10 Caterer ohne Käfigeier

Do, 20/07/2017 - 00:10

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Die zehn umsatzstärksten Contract Caterer in Deutschland verwenden keine Eier und Eiprodukte aus Käfighaltung mehr. Im Juli hat mit SV (Deutschland) der letzte der Top 10 seine Umstellung auf käfigfreie Eier und Eiprodukte abgeschlossen. Das Unternehmen bestätigte seinen Schritt gegenüber der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, die seit 2014 mit den großen Catering-Unternehmen im Austausch steht. Der Umstieg ist ein weiterer Erfolg für die »Käfigfrei«-Kampagne der Tierschutzorganisation.

Mehrere der großen Caterer in Deutschland stiegen auf Anregung der Stiftung auf Eier aus alternativen Haltungsformen um. Im Frühjahr 2015 hatte die Stiftung die 30 größten der Branche kontaktiert, darunter auch die Branchenführer Compass Group Deutschland und Sodexo Deutschland. Seither besteht ein ständiger Austausch. Schon im September des gleichen Jahres meldete Sodexo den Umstieg, Compass folgte dann im Februar 2016. Die inzwischen verwendeten Eier stammen aus Boden-, Freiland- und Biohaltung. Allerdings weisen auch diese Haltungsformen aus Tierschutzsicht Mängel auf. Im Unterschied zur Käfighaltung können die Hennen dort aber mehrere Grundbedürfnisse ausleben.

Käfigei-Ausstieg nicht nur in Deutschland

International üben Bündnisse von Tierschutzorganisationen ebenfalls Einfluss auf Unternehmen aus, etwa die Open Wing Alliance, zu der auch die Albert Schweitzer Stiftung zählt. Oft mit Erfolg: Die Compass Group und Sodexo haben bereits ihren weltweiten Ausstieg aus Käfigeiern für das Jahr 2025 beschlossen. Das betrifft sämtliche Eier und Eiprodukte, beispielsweise auch Flüssigei. Die Compass Group ist in mehr als 50 Ländern aktiv und das größte Catering-Unternehmen der Welt. Sodexo ist in 80 Ländern aktiv. »Für uns ist diese Entwicklung eine klare Bestätigung unserer Arbeit«, sagt Silja Kallsen-MacKenzie, Kampagnenleiterin der Albert Schweitzer Stiftung. »Es lohnt sich, auf die Unternehmen zuzugehen und mit ihnen im Gespräch zu bleiben.«

Der Umstieg der zehn größten Caterer in Deutschland mit einem Gesamtumsatz von über 2,5 Milliarden Euro ist ein wichtiges Signal an die gesamte Catering-Branche sowie die Lebensmittelproduzenten. »Die Entscheidung großer Unternehmen gegen eines der qualvollsten Tierhaltungssysteme zeigt, dass diese Haltungsform keine Zukunft hat«, sagt Kallsen-MacKenzie. »Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.«

Die Top 10 der umsatzstärksten Contract Caterer (mit den Umsätzen 2016):

  1. Compass Group Deutschland GmbH (666,0 Mio. Euro)
  2. Aramark Holdings GmbH & Co. KG (471,5 Mio. Euro)
  3. Sodexo Services GmbH (304,0 Mio. Euro)
  4. Klüh Catering GmbH (237,3 Mio. Euro)
  5. apetito catering B.V. & Co. KG (226,1 Mio. Euro)
  6. Dussmann Service Deutschland GmbH (183,5 Mio. Euro)
  7. SV (Deutschland) GmbH, Langenfeld (176,8 Mio. Euro)
  8. Wisag Catering Holding GmbH & Co. KG (102,9 Mio. Euro)
  9. Apleona Ahr Healthcare & Services GmbH (96,2 Mio. Euro)
  10. Primus Service GmbH (81,2 Mio. Euro)

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Vegan Taste Week in Heidelberg

Di, 18/07/2017 - 11:38

Vegan ist abwechslungsreich und lecker – das hat das Heidelberger Studierendenwerk wieder einmal eindrucksvoll bewiesen. Vom 3. bis 8. Juli hat es rein pflanzliche Gerichte angeboten. Das zusätzliche Angebot gab es in Kooperation mit unserer »Vegan Taste Week«. Dabei standen neben Hauptmahlzeiten wie Kichererbsen-Curry, gefüllten Paprika und Maultaschen auch Gerichte für den kleinen Hunger auf dem Speiseplan – etwa Sesam-Karotten-Sticks mit veganen Dips. Waffeln oder Schokomousse zum Dessert rundeten das Angebot ab.

Veganfreundlichste Mensa

Das Heidelberger Studierendenwerk überzeugt bereits seit einigen Jahren mit seinem veganen Engagement und trägt den Titel »Veganfreundlichste Mensa 2016«. Für Geschäftsführerin Ulrike Leiblein ist der Einsatz für die pflanzliche Ernährungsweise selbstverständlich: »Als modernes Dienstleistungsunternehmen geht das Studierendenwerk Heidelberg mit der Zeit, die im Zeichen der Nachhaltigkeit steht – genau wie die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, die sich erneut als optimale Kooperationspartnerin für unsere Vegan Taste Week erwiesen hat.«

Kochschulungen mit Björn Moschinski

Als besonderes Highlight der Vegan Taste Week war der prominente vegane Koch Björn Moschinski an zwei Tagen vor Ort. Neben seiner Schulung für die Mensaköche informierte er mit seinem Vortrag »Geiler Geschmack braucht kein Fleisch« über die pflanzliche Küche. Am Folgetag konnten sich die Studierenden beim Live Cooking selbst von seinen Kochkünsten überzeugen. Zudem war die gesamte Woche unsere Heidelberger Aktionsgruppe mit einem Infostand vor Ort, um den Studierenden Fragen rund ums Thema »Vegan« zu beantworten. »Die Vegan Taste Week steht beim Studierendenwerk Heidelberg nicht etwa für Verzicht, sondern für Genuss und die Freude an neuen kulinarischen und gedanklichen Erfahrungen«, sagt Ulrike Leiblein. »In der Schulung unseres Mensa-Teams und dem Vortrag von Björn Moschinski finden wir die Inspiration und Kreativität, die wir unseren Gästen tagtäglich weitergeben möchten.«

Das Fazit der Vegan Taste Week in Heidelberg: Alle Beteiligten waren begeistert und freuen sich aufs nächste Mal. Eine weitere Vegan Taste Week veranstalten die Heidelberger Mensen rund um den Weltvegantag vom 30. Oktober bis zum 4. November.

Haben Sie auch Lust, die vegane Ernährung zu entdecken? Dann melden Sie sich doch für unsere kostenlose Vegan Taste Week an – tolle Geschmackserlebnisse garantiert!

Der Artikel Vegan Taste Week in Heidelberg wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Ben & Jerry’s: Veganes Eis bald in Deutschland

Mo, 17/07/2017 - 14:05

Ben & Jerry’s will noch in diesem Jahr vegane Eissorten im deutschsprachigen Raum auf den Markt bringen. Mit dieser Nachricht ging das Unternehmen heute an die Öffentlichkeit. Die neuen Sorten basieren auf Mandeln und sind vegan zertifiziert. Die veganen Geschmacksrichtungen sollen den bekannten in nichts nachstehen, schreibt Ben & Jerry’s. In den USA bietet die Marke bereits sieben vegane Sorten an: Schokolade, Kokosnuss, Kirsche, Banane, Vanille, Mandel und Kaffee.

Wir freuen uns sehr über den Entschluss und sind auch ein bisschen stolz: Denn über 23.000 Menschen haben unsere an Ben & Jerry’s gerichtete Petition unterzeichnet. Und wie das Unternehmen bekennt, hat die Nachfrage zahlreicher Menschen nach veganem Eis Ben & Jerry’s angespornt. Unseren Appell »Veganes Eis auch im deutschsprachigen Raum!« hatten wir gestartet, um dem Wunsch nach veganen Eissorten Nachdruck zu verleihen. Seither haben wir einen guten Kontakt zu dem Unternehmen aufgebaut.

In der Vergangenheit war es für uns zunächst schwierig, mit Ben & Jerry’s in Verbindung zu treten. Dank der vielen Unterschriften stehen wir inzwischen jedoch im direkten Austausch. Die Wirkung von Petitionen auf Unternehmen hat schon öfter einen positiven Einfluss ausgeübt. Bereits 2016 hatte ein Online-Appell dazu geführt, dass Ben & Jerry’s vegane Eissorten in den USA und in Großbritannien auf den Markt gebracht hat.

Jetzt hat das Warten auch hierzulande bald ein Ende. Die neuen Sorten sollen noch vor Ende des Jahres erhältlich sein. In Kürze will das Unternehmen weitere Neuigkeiten zum Verkaufsstart und zu den Geschmacksrichtungen der veganen Eissorten mitteilen.

Ein wichtiger Schritt

Erfahrungsgemäß regen solche Schritte weitere Unternehmen an, ihr Angebot ebenfalls um vegane Produkte zu ergänzen. Ein breites und gutes Sortiment auch an veganen Naschereien ist wichtig, um möglichst viele Menschen für die vegane Lebensweise zu gewinnen. Besonders wenn es die vertrauten Lieblingsprodukte auch vegan gibt, hilft das vielen beim Umstieg. Die neuen veganen Eissorten der bekannten und beliebten Marke Ben & Jerry’s begrüßen wir daher sehr.

Der Artikel Ben & Jerry’s: Veganes Eis bald in Deutschland wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Strafanzeige gegen NRW-Agrarministerin

Fr, 14/07/2017 - 09:38

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Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt hat bei der Staatsanwaltschaft Münster Strafanzeige gegen die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (CDU) eingereicht. Die Ministerin versucht derweil, sich aus der Verantwortung zu ziehen.

Die Aufnahmen aus den Ställen der Landwirtschaftsministerin zeigen zum einen das übliche Leid in der Massentierhaltung und gängige Verstöße gegen das Tierschutzrecht. Zum anderen waren im Stall von Christina Schulze Föcking viele Tiere in einem besonders desolaten Zustand. Aus Sicht der Albert Schweitzer Stiftung hat sich die zur Ministerin avancierte Landwirtin deshalb strafbar gemacht. Insbesondere hatten einige Schweine handtellergroße und sogar faulige Wunden. Hinzu kommen stark entzündete Gelenke und riesige Eiterbeulen, die belegen, dass die Tiere über längere Zeit hinweg nicht oder völlig unzureichend behandelt wurden.

»In der Strafanzeige haben wir ausführlich begründet, dass sich die Ministerin strafbar gemacht hat. Wir setzen jetzt auf intensive Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ohne Ehrfurcht vor dem Ministeramt von Frau Schulze Föcking«, kommentiert Mahi Klosterhalfen, Geschäftsführer der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt.

Klare Verantwortung der Ministerin

Die Ministerin versucht sich jetzt aus der Verantwortung zu stehlen, indem sie Distanz zum Skandalbetrieb aufbauen will und ihn als Betrieb ihres Mannes bezeichnet. Fakt ist aber, dass sie zum Zeitpunkt der Aufnahmen Betriebsleiterin war und somit voll verantwortlich für die gefilmten Missstände ist. »Mit rhetorischen Tricks lassen wir die Ministerin nicht davonkommen«, so Klosterhalfen. »Das gilt auch für die Stellungnahme, die hinten und vorne nicht zusammenpasst.«

Nach wie vor erwägt die Stiftung eine zweite Strafanzeige gegen die Verantwortlichen beim Veterinäramt Steinfurt, da diese die schweren und lang anhaltenden Leiden nicht verhindert haben.

Der Artikel Strafanzeige gegen NRW-Agrarministerin wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Tierqual im Stall von Agrarministerin

Do, 13/07/2017 - 17:30

Pressemitteilung

© tierretter.de

Die gestern Abend bei stern TV gezeigten Aufnahmen aus Schweineställen von Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (CDU) zeigen grausame Bedingungen: Schwer verletzte Tiere mit klaffenden Wunden, die ohne Wasser im Dreck vor sich hin vegetieren. Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt fordert die sofortige Entlassung der Ministerin und bereitet eine Strafanzeige gegen sie vor.

Entstanden sind die meisten Aufnahmen in dem von Schulze Föcking und ihrem Mann geführten Schweinemastbetrieb im Juni 2017, kurz vor ihrer Ernennung zur Ministerin. »Eine Landwirtschaftsministerin mit so einer Tierhaltung ist absolut untragbar«, kommentiert Mahi Klosterhalfen, Geschäftsführer der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt. »Ministerpräsident Laschet muss sie umgehend aus ihrem Amt entlassen. Frau Schulze Föcking hat bis zu ihrem Amtsantritt eine Schweinehaltung betrieben, die nicht nur gegen das geltende Tierschutzgesetz verstößt. Nach unserer Analyse handelt es sich um eine Straftat, die nach § 17 Tierschutzgesetz mit bis zu drei Jahren Haft bewährt ist.«

Fachleute, denen die Filme zur Beurteilung vorlagen, sind ebenfalls entsetzt. Die Tierschutzbeauftragte des Landes Berlin und Vorsitzende des Vereins Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft, Diana Plange, hat nach eigenem Bekunden noch nie solche grausamen Zustände gesehen: »Die Haltungsbedingungen bei Frau Schulze Föcking sind mit den Grundnormen des deutschen Tierschutzrechts unvereinbar. Hier wird vorsätzlich großes Tierleid praktiziert«, so die Fachtierärztin für Tierschutz und Tierschutzethik.

Dass das Kreisveterinäramt Steinfurt der Ministerin den Rücken stärkt, verwundert nicht. Zum einen ist Schulze Föcking Vorsitzende des CDU-Kreisverbands Steinfurt, was Nähe zum dortigen Veterinäramt schafft. Zum anderen ist das Veterinäramt parteiisch, denn es ist seiner Verantwortung nicht nachgekommen, die Verstöße abzustellen. Das Veterinäramt würde also eigenes Versagen zugeben, wenn es Tierschutzverstöße anerkennen würde. Aus Sicht der Albert Schweitzer Stiftung liegt ein solches Versagen allerdings vor. Deshalb erwägt sie, ihre Strafanzeige auf die Verantwortlichen beim Veterinäramt auszuweiten.

Ministerin Schulze Föcking ist eine treibende Kraft hinter der Abschaffung des Verbandsklagerechts für Tierschutzorganisationen in NRW. Angeblicher Grund: Bürokratieabbau. »Jetzt drängt sich die Schlussfolgerung auf, dass die Ministerin das Verbandsklagerecht vor allem abschaffen will, um Skandalbetriebe wie den ihrer Familie zu schützen«, so Klosterhalfen von der Albert Schweitzer Stiftung. »Das Verbandsklagerecht ist das wichtigste Instrument, um Missstände vor Gericht zu bringen, wie sie im Betrieb von Schulze Föcking zu sehen sind. Es muss erhalten bleiben!«

Vorwürfe erhebt die Albert Schweitzer Stiftung auch gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel: »Merkel unterstützt die Strategie der konservativen Agrarressorts in Bund und Ländern, weiterhin massenhaft Fleisch zu Billigpreisen zu produzieren – ohne Rücksicht auf die Tiere«, kommentiert Klosterhalfen. Damit bricht sie mit dem Engagement ihres Vaters Horst Kasner, der sich massiv für die Abschaffung der Massentierhaltung eingesetzt und zu DDR-Zeiten sogar seine eigene Sicherheit dafür riskiert hat.

Der Artikel Tierqual im Stall von Agrarministerin wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

»Vegane Ernährung« – Buchbesprechung

Di, 11/07/2017 - 15:39
© Anne Bohl – Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

Das Sachbuch »Vegane Ernährung«, herausgegeben von Heike Englert und Sigrid Siebert, ist ein »Rundum-Ratgeber« und Nachschlagewerk zu zahlreichen Aspekten der pflanzlichen Ernährung. Auf über 300 Seiten bietet das Buch dabei Informationen zu Nährstoffen und Studienergebnissen, gibt aber auch praktische Tipps zur gesunden Umsetzung. Prof. Dr. Heike Englert lehrt u. a. Ernährungsmedizin und -beratung an der Fachhochschule Münster. Sigrid Siebert ist Ökotrophologin und Diätassistentin sowie Dozentin in Oberursel. Die Beiträge in dem Buch stammen von den Herausgeberinnen selbst sowie von weiteren Autorinnen.

Umfassende Nährstoff-Informationen

Nach einer kurzen Einführung zur Geschichte und Definition des Veganismus widmet sich das Buch auf vielen Seiten den Nährstoffen der veganen Ernährung. Die Autorinnen besprechen sowohl die unproblematischen als auch die kritischeren Nährstoffe wie z. B. Vitamin B12 und Jod. Sie erläutern für jeden Nährstoff die Funktion, den Bedarf, das Vorkommen sowie die Versorgungslage bei Veganerinnen und Veganern. Zum viel diskutierten Vitamin B12 wünscht man sich noch etwas weiterführende Details.

Der anschließende Abschnitt stellt die vegane Ernährung und ihre Besonderheiten in verschiedenen Lebensphasen vor, z. B. für Schwangere oder Jugendliche. Dabei orientiert sich das Buch an aktuellen Studien und gibt Empfehlungen für einzelne Nährstoffe in den bestimmten Lebensabschnitten. Die Informationen zu den jeweiligen Nahrungsergänzungsmitteln und deren Dosierungen lassen etwas an Details und Praxistauglichkeit vermissen. Es ist aber sehr erfreulich, dass die Autorinnen gerade bei der Ernährung von Schwangeren und Kindern nicht per se von veganer Ernährung abraten.

Einfluss auf die Gesundheit

Der nächste, umfangreiche Teil des Buches beschäftigt sich mit den Auswirkungen, Herausforderungen und Chancen veganer Ernährung in Bezug auf Gesundheit und Krankheit. Dieses Kapitel ist deshalb besonders für Fachkräfte aus medizinischen und ernährungswissenschaftlichen Berufen interessant. Hierzu beleuchtet die Autorin bei zahlreichen Erkrankungen, wie deren Auftreten und/ oder Verlauf durch die Ernährung beeinflusst werden kann. Unter anderem können Menschen mit Übergewicht, Herzerkrankungen oder Diabetes von einer ausgewogenen pflanzlichen Ernährung profitieren. Die Autorin geht auch auf weniger diskutierte Themen ein wie den Zusammenhang von Vegetarismus und psychischen Erkrankungen oder Nierenproblematiken.

Des Weiteren stellt das Buch in einem kurzen Kapitel integrative Therapiekonzepte aus der Ernährungsmedizin vor. Neben allgemeinen Grundsätzen der Lebensstilmedizin beschreibt Heike Englert dazu auch Programme, die mit (fast) vegetarischen oder veganen Diäten arbeiten, z. B. das Ornish-Programm aus der Mind-Body-Medizin.

Label und Verordnungen

Das Buch gibt einen Überblick über lebensmittelrechtliche Details und die verschiedenen Labels, die es im veganen Bereich gibt. Hierzu spielen auch die Verordnungen zu »funktionellen Lebensmitteln« und Nahrungsergänzungsmitteln eine Rolle. Gerade für VeganerInnen gibt es zahlreiche angereicherte Produkte (z. B. Sojadrink mit Vitamin B12) oder Supplemente (z. B. vegane Omega-3-Fettsäuren als Algenölkapseln).

Beratung, Tagespläne und Nährstofftabellen

Im letzten Drittel geht es vor allem um praktische Informationen zu Beratung und Ernährungsplanung. Das Buch stellt hierzu verschiedene Konzepte wie z. B. den »Veganen Teller« zur Lebensmittelauswahl vor, die auch in die Beratungspraxis von Ernährungsberaterinnen und -beratern einfließen können. Ein großer Abschnitt befasst sich mit dem Gesundheitswert veganer Alternativprodukte wie etwa Fleischalternativen. Praxisnah sind die Tipps zu den verschiedenen Möglichkeiten, Eier beim Backen zu ersetzen. Ernährungstrends wie roh-vegane Ernährung und Superfoods werden kurz umrissen.

Im ausführlichen Anhang finden sich zahlreiche nach Nährstoffen sortierte Tabellen, die den jeweiligen Gehalt für bestimmte Lebensmittel auflisten, z. B. für Eisen, Kalzium und Protein. Es gibt auch mehrere verschiedene vegane Tagespläne mit ihrem Nährstoffgehalt. Etliche größtenteils vollwertige Rezepte runden das Buch schließlich ab.

Vegane Ernährung: Unser Fazit

»Vegane Ernährung« ist definitiv ein Allround-Ratgeber: Über Nährstoffe, Lebensmittelauswahl und Gesundheitsthemen geht es über einige rechtliche Aspekte hin zu praktischen Informationen für Beratung und Ernährungsplanung. Somit deckt das Buch eine breite Palette veganer Themenfelder ab. Durch seinen wissenschaftlichen Anspruch und die zahlreichen Literaturverweise eignet es sich als Grundlagenwerk für Fachkräfte im Ernährungs- und Gesundheitsbereich. Wegen des verständlichen Schreibstils ist es aber ebenfalls Laien zu empfehlen, die sich für eine gesunde vegane Ernährung interessieren.

»Vegane Ernährung« von Heike Englert und Sigrid Siebert (Hrsg.) ist im September 2016 im UTB Verlag erschienen und hier erhältlich.

Der Artikel »Vegane Ernährung« – Buchbesprechung wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Diskussion: Parteien zur Tierschutzpolitik

Sa, 08/07/2017 - 13:12
© Welttierschutzgesellschaft e. V.

»Wir haben die Wahl – Tiere nicht. Tierschutzpolitik nach der Bundestagswahl 2017«. So lautete der Titel der öffentlichen Podiumsdiskussion am 28. Juni 2017 in Berlin. Dazu hatten wir gemeinsam mit den anderen Organisationen des Bündnisses für Tierschutzpolitik sachkundige Gäste eingeladen. Anlässlich der bevorstehenden Bundestagswahl sollten sich SprecherInnen der im Bundestag vertretenen Parteien kritischen Fragen stellen. Was beabsichtigen die Parteien, um die Lebensbedingungen der Tiere zu verbessern? Die kontroverse Diskussion erlaubte den Besucherinnen und Besuchern, einen Ausblick auf die künftige Tierschutzpolitik der Parteien zu erhalten.

Der Schwerpunkt des Abends lag auf den Positionen zur Tierhaltung in der Landwirtschaft. Es diskutierten die tierschutzpolitischen Sprecherinnen der SPD-Fraktion, Christina Jantz-Herrmann und der Partei Die Linke, Birgit Menz sowie die Sprecherin für Tierschutz- und Verbraucherschutz von Bündnis 90/Die Grünen Nicole Maisch und der milchpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Kees de Vries. Die Journalistin und Autorin des Buches »Die Wegwerfkuh« Dr. Tanja Busse moderierte den Abend und zeigte auch selbst Haltung. An der Diskussion nahmen ebenfalls die Wissenschaftler Prof. Dr. Bernhard Hörning und Prof. Dr. Harald Grethe sowie die Parlamentarische Staatssekretärin des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL), Dr. Maria Flachsbarth teil.

Gesellschaft erwartet mehr Tierschutz

Staatssekretärin Flachsbarth leitete die Diskussion ein. Es sei ein Wertewandel in der Gesellschaft zu beobachten mit wachsenden Erwartungen an den Tierschutz. Damit die Tierhaltung in Deutschland weiter bestehen könne, müsse man den Bäuerinnen und Bauern helfen, bessere Haltungsbedingungen zu schaffen. Das würde ihnen ermöglichen, Tiere ohne gekürzte Schnäbel oder amputierte Ringelschwänze zu halten. Die VerbraucherInnen hätten dabei eine entscheidende Rolle, so Flachsbarth. Allerdings müssten sie durch mehr Transparenz auch die Gelegenheit zur informierten Entscheidung bekommen. Um das Abwandern landwirtschaftlicher Produktion in andere Länder zu verhindern, setze das Ministerium dabei auf freiwillige Vereinbarungen mit der Wirtschaft wie mit dem staatlichen Tierschutzlabel.

Kritik an der Bilanz des Ministers

Christina Jantz-Herrmann (SPD) kritisierte die Bilanz des BMEL der vergangenen vier Jahre: Eine nationale Tierwohloffensive sei geplant gewesen. Nur die substanzlose Initiative Tierwohl sei jedoch dabei herausgekommen. Der Kritik schloss sich auch Nicole Maisch von den Grünen an: »Fail fail fail« lautete ihr Urteil über die Tierschutz-Politik von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt. Wütend sei sie. Die Erfolge des Ministers ließen sich nicht mal an einer Hand abzählen. So sei sein staatliches Tierschutzlabel nichts weiter als ein inhaltsleeres Emblem.

SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die LINKE wollen sich künftig für die noch immer fehlende Haltungsverordnung für Kühe einsetzen. Kees de Vries von der CDU sieht dagegen hierfür keinen Bedarf. Das Management in der Milchviehhaltung spiele die entscheidende Rolle. Und ohnehin läge das Tierwohl im Interesse der Betriebe. Den Einsatz für mehr Tierschutz in der Milchkuhhaltung versuchte er trotz aller bekannten Missstände ins Lächerliche zu ziehen: »Wenn ich meinen Kühen jetzt noch Jäckchen anziehen soll, damit sich die Tierschützer besser fühlen, will ich als Landwirt mehr Geld dafür haben.«

Harsche Urteile aus der Wissenschaft

In einem Kurzvortrag benannte Prof. Hörning, Verhaltensforscher für »Nutztiere« und Autor der Studie »Qualzucht bei Nutztieren« zahlreiche Tierschutzprobleme. Wesentliche Missstände sieht er bei den sogenannten Milchkühen, Mastbullen, Zuchtsauen, Mastschweinen, Legehennen und beim »Mastgeflügel« wie Hühnern, Puten und Enten. Die Mehrheit lebe in wenig tiergerechter Haltung. Zudem kritisierte die Hochleistungszucht, die zu vielen Erkrankungen führe.

Er forderte unter anderem die Aufnahme der noch fehlenden »Nutztiere« in die Tierschutz-Nutzierhaltungsverordnung. Vorschriften zu Tageslicht, Außenklimabereichen, mehr Platz, Beschäftigungsmaterial und besseren Liegeflächen wären nötig. Auch für ein Verbot von Spaltenböden sowie von Amputationen, insbesondere ohne Betäubung sprach er sich aus. Kastenstände für Sauen gelte es ebenso zu verbieten. Diese verglich er mit den Käfigen bei Legehennen. Noch immer verbrächten Zuchtsauen insgesamt die Hälfte des Jahres im Kastenstand.

Gegensätzliche Ansichten zu Kastenständen

Christina Jantz-Herrmann (SPD) drängte ebenfalls darauf, keine Sauen mehr im Kastenstand unterzubringen. Das ist auch die Auffassung der Grünen: Ein Geschäftsmodell, das auf Tierquälerei basiere, habe laut Nicole Maisch keine Zukunft. Die vom Bauernverband geforderte Übergangsfrist von 25 Jahren sei viel zu lang. Nach Erkenntnissen der Grünen müssten gut zehn Jahre reichen. Denn in dieser Zeit könnten Betriebe ihre Ausgaben selbst für neu gebaute Anlagen erwirtschaftet haben. Kees de Vries (CDU) hält Kastenstände hingegen weiterhin für erforderlich. Lediglich über eine verkürzte Verweildauer der Sauen darin könne man reden.

Fünf Milliarden für den Umbau

Prof. Dr. Harald Grethe, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats Agrarpolitik und Mitverfasser des Gutachtens »Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung« gab ebenfalls Input aus der Wissenschaft. Die derzeitigen Haltungsbedingungen seien sowohl aus fachlicher Sicht als auch wegen der abnehmenden Akzeptanz in der Bevölkerung nicht zukunftsfähig. Jedoch ließe sich das nicht allein durch strengere ordnungsrechtliche Regelungen ändern. Grethe hält für die gewünschten Umstrukturierungen eine finanzielle Unterstützung der Tierhaltungsbetriebe in Höhe von drei bis fünf Milliarden Euro für nötig.

Für die Finanzierung und die einzelnen Schritte zur Umsetzung der Maßnahmen brauche man von der Politik einen klaren Plan. Den gibt es bislang aber nicht. Grethe sieht vor allem in der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) Möglichkeiten zur Finanzierung. Bislang würden fünf Milliarden Euro jährlich allein nach Größe der landwirtschaftlichen Fläche an die Betriebe gezahlt. Das sei schlicht nicht zu begründen. Hiervon könne man deutlich mehr Geld als bisher zum Umbau der Haltungssysteme nutzen.

Handlungsbedarf bei anderen Reizthemen

Wildtiere im Zirkus, Exotenhaltung und Tierversuche – in anderen Tierschutzbereichen wollen SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke ebenfalls deutliche Änderungen. Birgit Menz (Die Linke) forderte ein Konzept zum Ausstieg aus Tierversuchen. Staatssekretärin Flachsbarth (CDU) rechtfertigte Tierversuche für die Grundlagenforschung. Forschungsfreiheit und Tierschutz seien beide im Grundgesetz verankert. Die Grüne Nicole Maisch hält zumindest bessere rechtliche Rahmenbedingungen für nötig, sodass nicht jeder Tierversuch genehmigt würde. Alternativmethoden bekämen noch zu wenig Raum. Faktisch gäbe es keine Abwägung zwischen Forschungsinteresse und Tierschutz. Noch immer würden Millionen Mäuse für Botox totgespritzt. Oder wie sie es salopp ausdrückte: »Hautglattziehen ist nicht Alzheimerforschung!«

Einig sind sich die Tierischutzsprecherinnen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke in ihren Forderungen nach einem Wildtierverbot in Zirkussen sowie nach strengeren Regeln bei der Zucht und Haltung von Heimtieren. Für die Haltung sogenannter Exoten wünschen sie sich hohe Auflagen. Welche Tiere man in privaten Haushalten halten dürfe, müsse eine Positivliste festlegen. Gegebenenfalls müsse es Sachkundenachweise der HalterInnen geben. Nach de Vries (CDU) reiche schon die Aufklärung über die Bedürfnisse der jeweiligen Arten. Denn schließlich liebten die meisten ihre Tiere. De Vries sprach sich generell gegen strengere gesetzliche Regelungen und Verbote aus. Der Tierschutz in Deutschland sei bereits auf einem hohen Niveau. Lediglich beim Wildtierverbot für Zirkusse würde er bei einem Bestandsschutz eventuell mitgehen.

Staatssekretärin Flachsbarth merkte an, dass ein Wildtierverbot ein Berufsverbot nach sich ziehen könnte und daher gut begründet sein müsse. Grundsätzlich reichten aus ihrer Sicht in vielen Tierschutzbelangen die bestehenden Gesetze aus. Es mangele eher an deren Durchsetzung auf Länder- und Kommunalebene. Dazu müssten die Veterinärämter besser ausgestattet werden.

Das Bündnis für Tierschutzpolitik

Wir fordern zusammen mit den anderen Organisationen des Bündnisses strengere gesetzliche Regelungen, um Tiere vor unnötigen Schmerzen und Leiden zu bewahren. Gemeinsam werden wir uns weiterhin auf politischer Ebene für Verbesserungen im Tierschutz einsetzen.

Das Bündnis für Tierschutzpolitik setzt sich zusammen aus Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, Bundesverband Tierschutz e.V., Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. PROVIEH – Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung e.V., VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz sowie Welttierschutzgesellschaft e.V.

Der Artikel Diskussion: Parteien zur Tierschutzpolitik wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Nutztierstrategie lässt Antworten vermissen

Fr, 30/06/2017 - 14:11

Pressemitteilung

© Cameron Watson – Shutterstock

Zum Ende des Bauerntags am gestrigen Donnerstag hat das Bundeslandwirtschaftsministerium die lange angekündigte Nutztierhaltungsstrategie veröffentlicht. Darin sollten bundesweit einheitliche Regelungen Planungssicherheit bei Tierhaltern schaffen. Tierschutzverbände haben sich davon zudem einen Fahrplan zur Umsetzung konkreter Maßnahmen erhofft. Das 60-seitige Papier erfüllt keine dieser Erwartungen, denn es bleibt weitgehend im Vagen. Obgleich viele Grundprobleme im Ministerium offensichtlich bekannt sind, fehlen klare Schritte, um Verbesserungen zu finanzieren und umzusetzen.

Die nationale Nutztierhaltungsstrategie war schon lange sowohl von der Landwirtschaft als auch von Tier- und Umweltschutzverbänden erwartet worden. Das jetzt vorgelegte Werk liefert eine Bestandsaufnahme der Tierhaltung in Deutschland sowie der bereits begonnenen Maßnahmen des Ministeriums. Zu den meisten Themen bietet das Papier jedoch nur grobe Ideen und vage Konzepte. Hinsichtlich ihrer Umsetzung verweist das Ministerium lediglich auf bestehende und geplante Programme. Die Festlegung von Zielen verschiebt es in die Zukunft. Wie eine ausreichende Finanzierung der Vorhaben aussehen kann, wird ebenso nicht ersichtlich.

Minister Schmidt hatte im Vorfeld groß angekündigt, dem Tierschutz einen hohen Stellenwert einzuräumen. In der Strategie geht Tierschutz zwar vor Umweltschutz, aber wirtschaftliche Überlegungen stehen nach wie vor ganz oben.

»Christian Schmidt setzt leider weiterhin nur auf freiwillige Vereinbarungen mit der Landwirtschaft und dem Handel«, sagt Konstantinos Tsilimekis, Leiter des Wissenschaftsressorts der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt. »Dabei sollte er längst das tun, was in seiner eigentlichen Kompetenz als Minister liegt: Das Tierschutzniveau der Gesetze und Verordnungen anheben.«

Lange überfällige Maßnahmen werden noch immer nicht angegangen. So wäre die Überarbeitung des Tierzuchtgesetzes dringend erforderlich aufgrund der zahlreichen Probleme für Gesundheit und Wohlbefinden der Tiere durch die leistungsorientierte Züchtung. Hier ist ebenfalls nur von freiwilligen Vereinbarungen mit den Zuchtorganisationen die Rede, begleitet von Forschungsförderung und Modellvorhaben.

»Es ist auch nicht nachvollziehbar, wieso es nicht spätestens jetzt Pläne gibt, erwachsene Rinder, Puten, Enten und Gänse in die Nutztierhaltungsverordnung aufzunehmen«, so Tsilimekis. »In der Nutztierhaltungsstrategie findet das keinerlei Erwähnung.«

Die Position zum Konsum tierischer Produkte fällt sehr dünn aus. Einfach nur mit Verbraucherinformationen einem übermäßigen Konsum tierischer Produkte entgegenwirken zu wollen, reicht nicht, um den viel zu hohen Fleischkonsum zu verringern. Obgleich das aus gesundheitlichen wie ökologischen Gründen geboten wäre und nicht zuletzt auch Potenziale für den Tierschutz birgt.

Das Landwirtschaftsministerium bekennt sich auf dem Papier zwar deutlich zum Tierschutz: Deutschland solle Vorreiter im Umgang mit Nutztieren werden und Tierwohl eine besondere Präferenz erhalten. Gedacht ist das Strategiepapier anscheinend nur als Diskussionsangebot. Viele Probleme sind aber bereits ausreichend bekannt und diskutiert worden. Sie müssten längst rechtlich und ordnungspolitisch handfest angegangen werden. Die Nutztierhaltungsstrategie leistet weder zur Orientierung für die Landwirte noch für den Tierschutz einen überzeugenden Beitrag. Ohnehin ist fraglich, welche Rolle die veröffentlichten Vorschläge von Christian Schmidt nach der Bundestagswahl noch spielen werden.

Der Artikel Nutztierstrategie lässt Antworten vermissen wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Veganes Pilotprojekt an Berliner Schulkantinen

Fr, 30/06/2017 - 10:49
© SpeedKingz – Shutterstock

Einfach waren die Verhandlungen zu unserem Bürgerbegehren mit den Vertretern der Fraktionen von SPD, Bündnis90/Die Grünen und Die Linke nicht. In dem Begehren forderten wir gemeinsam mit Sentience Politics und VEBU ein »zusätzliches veganes Menü in bezirklichen Einrichtungen« des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Mit einem Modellprojekt zur veganen Schulverpflegung ist jetzt ein Kompromiss zustande gekommen. Gemeinsam mit den anderen beiden Initiatoren haben wir uns im Juni 2017 mit dem Haushaltsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) darauf geeinigt.

Dieser sieht vor, im Rahmen eines Modellprojekts vegane Gerichte an einer oder zwei Schulen des Bezirks anzubieten. Zunächst soll das Angebot an einem Tag der Woche bestehen, bei positiver Rückmeldung an zwei Tagen. In ihrer Sitzung am 14. Juni hat die BVV dem Anliegen des Bürgerbegehrens in der mit uns ausgehandelten Form zugestimmt und einen entsprechenden Beschluss gefasst.

Geld für vegane Kochschulungen

Für die erfolgreiche Einführung veganer Gerichte ist eine gute Einbindung und entsprechende Fortbildung der Caterer wichtig. Erfreulicherweise hat die Bezirksverordnetenversammlung finanzielle Mittel für vegane Kochschulungen bewilligt. Sie hat das Bezirksamt beauftragt, hierfür eine Einmalfinanzierung in Höhe von bis zu  4.000 Euro bereit zu stellen.

Gemeinsam mit den anderen Initiatoren werden wir das Projekt an den ausgewählten Schulen mit thematisch geeigneten Veranstaltungen und Materialien begleiten. Zudem werden wir gemeinsam mit Vertretern des Bezirks verfolgen, wie gut die SchülerInnen das vegane Essensangebot annehmen. Dazu wird das Modellprojekt regelmäßig im Rahmen der Ausschusssitzungen für Schule und Sport bewertet. Kommt das Projekt in den Schulen gut an, hat das langfristige Wirkung: In den künftigen Ausschreibungen und Catering-Verträgen wird dann ein bestimmter Anteil an veganen Gerichten festgeschrieben.

Keine Mehrheit für Ursprungsforderung

Im April hatte uns das Bezirksamt mitgeteilt, dass von den rund 9.500 abgegebenen Unterschriften 6.884 gültig waren. Somit war die erforderliche Anzahl von gut 6.000 Stimmen für das im Oktober 2016 gestartete Bürgerbegehren erreicht.

In den folgenden Verhandlungen kristallisierte sich jedoch schnell heraus, dass wir unsere ursprüngliche Forderung nicht durchsetzen können. Bei den Fraktionen der Bezirksverordnetenversammlung stand dafür keine Mehrheit in Aussicht. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die meisten der derzeitigen Schulcaterer sind nicht in der Lage, ein weiteres Gericht kostenneutral anzubieten. Für Mehrkosten hätte es wegen der finanziellen Situation des Bezirks keine Unterstützung gegeben. Auch seitens der Elternvertretungen hätten wir zum Teil mit, wenn auch unbegründeten, Widerständen rechnen müssen. Ein Modellprojekt mit einzelnen Schulen und Caterern erschien uns daher als zielführender Weg.

Ohne eine Einigung mit der Bezirksverordnetenversammlung hätte dem Bürgerbegehren ein Bürgerentscheid folgen können. Dafür hätten dann mindestens 10 % der Wahlberechtigten im Bezirk abstimmen und mehrheitlich unserer Forderung zustimmen müssen. Doch mittels Bürgerentscheid auf Konfrontation mit dem Bezirk zu gehen, hätte unserem Anliegen vermutlich mehr geschadet als genutzt. Selbst wenn wir dafür eine ausreichende Anzahl an Stimmen bekommen hätten, wäre der Entscheid für das Bezirksamt nicht bindend.

Der Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung im Wortlaut:
  • Mit dem Beschluss wird das Bezirksamt beauftragt, an bis zu zwei Schulen im Bezirk, an denen selbst gekocht wird, oder die einen externen Caterer-Vertrag haben, an einem Tag in der Woche und bei positiver Annahme an zwei Tagen in der Woche das vegetarische Essen durch ein veganes Menü zu ersetzen.
  • Das bezirkseigene Küchenpersonal soll in veganer Essenszubereitung geschult werden. Das Bezirksamt wird beauftragt, dafür eine Einmalfinanzierung (in Höhe von maximal 4.000 Euro) zu gewähren. Darüber hinaus soll das Modellprojekt für den Bezirk kostenneutral bleiben.
  • Die Organisationen, die das Bürgerbegehren »Zusätzliches veganes Menü in bezirklichen Einrichtungen« initiiert haben, begleiten das Projekt an den Schulen mit Infomaterial und ggf. auch Veranstaltungen.
  • Eine Evaluierung des Modellprojektes findet regelmäßig im Rahmen der Ausschusssitzungen für Schule und Sport statt. Bei positiver Resonanz soll für die künftigen Catering-Verträge ein Anteil an veganem Schulessen berücksichtigt werden.
Unser Fazit zum Bürgerbegehren

Das Modellprojekt zur veganen Schulverpflegung ist ein wichtiger Teilerfolg, um veganes Essen in öffentlichen Einrichtungen einzuführen. Da wir eine breite politische Koalition für unser grundlegendes Anliegen gewinnen konnten, sind wir zuversichtlich, dass der Bezirk diesen Weg langfristig unterstützt. Mit dem Projekt eröffnet sich die Chance, veganen Gerichten einen dauerhaften Platz in der Schulverpflegung zu verschaffen.

Der Artikel Veganes Pilotprojekt an Berliner Schulkantinen wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.