SCHLACHTHOF Das Märchen vom lieben Zuchtvieh aus der Region

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SCHLACHTHOF Das Märchen vom lieben Zuchtvieh aus der Region

Beitragvon Admin » Do 22. Mai 2014, 19:33

Das Märchen vom lieben Zuchtvieh aus der Region
THEMA: SCHLACHTHOF
Zum Artikel „Schlachthof mal drei“, Kurier vom 13. November.
Wenn es einen Industriezweig gibt, der jeden Skandal, und sei er noch so schlimm, unbeschadet ĂĽbersteht, so ist dies die Fleischindustrie.
Weder das Wissen um die gesundheitlichen Risiken eines hohen Fleischverzehrs noch die Erkenntnis, dass eine fleischarme Ernährung zum Klimaschutz beiträgt, kann den Appetit der Verbraucher auf Fleischberge zügeln.
Dementsprechend winkt der Umweltausschuss des Stadtrats mal locker einen Antrag der Müller Fleisch GmbH auf Verdreifachung der Schlachtleistung durch, um dann am nächsten Tag an gleicher Stelle zu erfahren, dass allein durch den Verzicht einer Portion Fleisch pro Woche der Bundesbürger neun Millionen Tonnen Treibhausgase pro Jahr einsparen könnte.
Ein Aufruf der Tier- und Umweltschutzgesellschaften zum Vegetariertag einmal pro Woche hat bislang im Bayreuther Rathaus keine UnterstĂĽtzung gefunden.
Stattdessen stellen sich die Mitglieder des Umweltausschuss in die Dienste der Fleischindustrie und dem Umweltreferent ist es reichlich „wurscht“, dass wöchentlich noch dreimal mehr Tiere in Lastwagen antransportiert werden, die ja angeblich aus der regionalen Erzeugung stammen.
2000 Tonnen Fleisch pro Woche aus Oberfranken. Die Wahrheit ist, dass die Tiere aus den groĂźen Tiermastbetrieben im In- und Ausland kommen und oft Hunderte von Kilometern in Transportern mehr oder weniger schlecht ĂĽberlebt haben.
Obwohl das jeder weiß, auch der Umweltausschuss und auch Herr Tyll, gibt es ein feines Argument für den Schlachthof mal drei. Oberste Prämisse ist die Schaffung neuer Arbeitsplätze, und man glaubt es kaum – diese steigen tatsächlich von 40 auf rund 50 Mitarbeiter.
Eine Verdreifachung der Schlachtleistung mit 20 Prozent Mitarbeitern mehr – das nennt man Gewinnoptimierung.
Was das für die Tiere bedeutet, mag man sich nicht vorstellen, wenn schon bei normalem Betrieb jedes fünfte oder sechste Schwein noch lebend in den Brühkessel gelangt und Rinder auch bei fehlerhaftem Bolzenschuss mit der Säge zerteilt werden (Kurier vom 22. Juni).
Wer sind die neuen Mitarbeiter? Wieder Beschäftigte aus osteuropäischen Ländern, die zu Dumpinglöhnen hier arbeiten? Ist das vom Umweltausschuss nachgefragt worden?
Das Märchen vom lieben Zuchtvieh, das hier vom Bauern aufgezogen wurde, und nun den kurzen Weg zur „Weiterverarbeitung“ in den Schlachthof mal drei antreten muss, kann die Geschäftsleitung der Müller Fleisch GmbH nur denen erzählen, die Brodwärscht für zwei Euro wollen und denen ein humaner Umgang mit Tieren buchstäblich „worscht“ ist.
Dr. Reinhard Wittke, Bayreuth,
Sportmediziner
Nordbayerischer Kurier vom Montag, 26. November 2012, Seite 15
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